Stasi-Vergangenheit : Regierungsberater unter Druck

Der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg und Aufbau-Ost-Berater der Bundesregierung, Klaus Hieckmann, hat Stasi-Kontakte eingeräumt.

Magdeburg - In einer am Sonntag verbreiteten Erklärung ist die Rede von einer dienstlichen Zusammenarbeit, die in seiner damaligen beruflichen Position unausweichlich gewesen sei. Einem "Spiegel"-Bericht zufolge führte die Stasi den Ingenieur von 1986 an unter dem Decknamen "Stahl". Nach den Akten der Birthler-Behörde habe er bis August 1989 Einschätzungen zu Mitarbeitern geliefert und diese zum Teil diffamiert. Die Birthler-Behörde war am Wochenende für Auskünfte nicht erreichbar.

"Die dienstliche Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR habe ich weder verschwiegen noch bestritten", heißt es in Hieckmanns Erklärung. Es sei nur um die Auswertung operativ beschaffter wissenschaftlich-technischer Unterlagen gegangen. Als Betriebsdirektor habe er nicht Nein sagen können und den für das Unternehmen zuständigen Stasi-Mitarbeitern auch Auskünfte in Personalfragen geben müssen. Dies habe aber mit Bespitzelung nichts zu tun. Er habe ein gutes Gewissen.

Hieckmann ist Ehrensenator der Universität Magdeburg. Als IHK- Präsident gehört er in Sachsen-Anhalt dem Wirtschaftsbeirat von Ministerpräsident Wolfgang Böhmer (CDU) und dem Beirat der Investitionsbank an. Die Tageszeitung "Die Welt" berichtet, Böhmer sei schon seit dem vergangenen Jahr über Hieckmanns Stasi- Kontakte informiert. Die Staatskanzlei sei auf die Akte gestoßen, als der Kammerpräsident für das Bundesverdienstkreuz vorgeschlagen wurde. (tso/dpa)

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