Politik : Störenfriede

Robert von Rimscha

Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Wenn man zu hochsommerlichen Zeiten die Politik verfolgt, entführt die einen zwangsläufig in ihre jeweiligen Urlaubsgefilde. Das kann amüsant sein, wenn man beispielsweise einen Kommentar zu einer umstrittenen Aktion des Vatikan braucht und sich herausstellt, dass der befragte Kritiker mit dem Handy am Ohr gerade durch Rom spaziert. Oder der zweite deutsche Politiker, der ebenfalls auf den Papst sauer ist – na ja, der hat etwas mehr räumliche Distanz, der steht gerade in Ravenna und lacht die ganze Zeit. Warum, das wissen wir nicht, wir benutzen ja das altbackene Telefon und kein Videophon à la CNN. Ja, zur Sommerzeit ist der Pressemensch oft ein Störenfried. „Ich sitze hier gerade auf einer Almhütte und will essen“, beginnt ein Angefragter. Ein anderer sagt: „Ich bin grad’ auf dem Rastplatz an der Nationalstraße 4, und da wollen Sie …“

Wer überhaupt nicht zu erreichen ist, sondern nur seinen Anrufbeantworter angeschaltet hat, der bringt uns in Gewissensqualen mit Ansagen wie: „In dienstlichen Angelegenheiten rufen Sie bitte mein Büro an. Private Nachrichten – und nur die! – bitte nach dem Pfeifton.“ Nun ist es aber nicht so, dass die Störung aus Berlin immer verhasst ist. Vorgestern beispielsweise war ein wichtiger Politiker beim Golfen. Irgendwo zwischen 16. Grün und dem Teich gleich neben dem Sandbunker erreichte ihn ein Anruf. Es ging um die Rettung des Sandmännchens. Eine nationale Aufgabe. Eine allerhöchste Berufung. Brav gab der Politiker seinen Kommentar ab. Stunden später noch wunderten sich seine Mitspieler: „Der hat glatt das ganze Loch ausgelassen!“ Der Politiker war’s zufrieden: „Für so etwas dürfen Sie mich gern stören!“

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