Politik : Stoiber fordert Lafontaine zum Duell – der nimmt an

Nach Kritik des Bayern an Ostdeutschen Streitgespräch im Fernsehen? / Wulff kritisiert CSU-Chef scharf

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Berlin CSU-Chef Edmund Stoiber fordert den Linkspartei-Spitzenkandidaten Oskar Lafontaine zum Schlagabtausch heraus. Stoiber sagte der „Bild“-Zeitung am Sonntag, er sei bereit, sich dabei „mit dem früheren SPD-Vorsitzenden und jetzigen PDS-Spitzenkandidaten Lafontaine inhaltlich über die Folgen einer Wahl der PDS auseinander zu setzen“. Lafontaine teilte mit, er nehme Stoibers Herausforderung „mit dem größten Vergnügen“ an.

Stoiber, der seit Tagen wegen seiner Äußerungen zum Wahlverhalten der Ostdeutschen in der Kritik steht, sagte der Zeitung: „Ich will die PDS inhaltlich und konzeptionell stellen. Vor allem will ich eindringlich die Wählerinnen und Wähler darauf hinweisen, welche Folgen es für die Wirtschaft und für Investitionen in Deutschland hätte, wenn die PDS drittgrößte Partei im deutschen Bundestag würde und sogar möglicherweise über die Regierungsbildung mitentscheiden könnte.“ Lafontaine entgegnete: „Mit dem größten Vergnügen nehme ich die Herausforderung des vom Zuspruch der Wählerinnen und Wähler für die Linkspartei frustrierten bayerischen Ministerpräsidenten an.“ Aufgrund seiner guten Beziehungen in der Medienlandschaft werde es Stoiber sicher gelingen, einen TV-Sender für das Gespräch zu finden.

Am Wochenende wurde bekannt, dass es auf dem Strategietreffen der Unions-Führung am vergangenen Mittwoch in Berlin zu einer schweren Kontroverse zwischen dem niedersächsischen Ministerpräsidenten und CDU-Vize Christian Wulff und Stoiber gekommen ist. Bei dem Treffen hatte nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa zunächst Wulff heftige Vorwürfe gegen Stoiber geäußert. Er hielt ihm vor, mit der öffentlichen Benennung von Mitgliedern des Wahlteams sich Kompetenzen anzumaßen, die allein der Kanzlerkandidatin zustünden. Außerdem forderte Wulff nach Berichten der „Bild am Sonntag“ und des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“, es müsse Schluss sein mit Angriffen aus der Schwesterpartei. Schlagzeilen wie „CSU kritisiert CDU“ verbitte er sich. Wulff habe Stoiber daran erinnert, wie loyal die CDU ihn 2002 als Kanzlerkandidat unterstützt habe. Die gleiche Loyalität erwarte er nun von der CSU. Stoiber habe wütend reagiert. In der CSU kam die Kritik von Wulff nach Tagesspiegel-Informationen gar nicht gut an. In Parteikreisen wurde auf den großen Einsatz von Stoiber in diesen Tagen und Wochen verwiesen, im Gegensatz zu dem bisherigen von Wulff. Der CDU- Vize ist ohnedies in der Union nicht unumstritten. Im Kreis seiner Ministerpräsidentenkollegen wird Wulff als „Ich-AG“ bezeichnet.

Auch im Sommerinterview des ZDF versuchte Stoiber, in der Offensive zu bleiben. Er verteidigte sich damit, er habe sich mit seinen Bemerkungen über die Ostdeutschen nur auf das Erstarken der Linkspartei und ihrer beiden Spitzenpolitiker Gregor Gysi und Oskar Lafontaine bezogen. Seine Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen worden und hätten nicht missverstanden werden können.

Aus der CDU kamen weitere kritische Stimmen zu Stoibers Äußerungen. CDU- Chefin Angela Merkel sagte der „Welt am Sonntag“: „Alles, was falsche Gegensätze zulässt, ob gewollt oder ungewollt, ist kontraproduktiv“. Sie verschärfte ihre Aussagen zum CSU-Chef aber auch nicht. Laut „Bild“ hat Merkel Stoiber am Donnerstagabend zu verstehen gegeben, dass er zu weit gegangen sei. Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm nannte Stoibers Aussagen in der „BZ am Sonntag“ schlimm. Er solle sich um die Wahl in den alten Ländern kümmern: „Wir kümmern uns um die neuen Länder.“ Schönbohm war kürzlich selbst wegen Äußerungen zu den Folgen des DDR-Systems in die Kritik geraten. Die „Sensibilität, mit den Empfindungen der Menschen in Ostdeutschland umzugehen“, sei „nicht in dem Maße erreicht“ worden, wie man sich das wünsche, sagte Pofalla im Deutschlandradio Kultur. cas/dpa/ddp

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