Politik : Stoibers Wahlkampf: Vier sind schon im Boot

Peter Siebenmorgen

Kaum hat die Union ihren gemeinsamen Kanzlerkandidaten gefunden, kommt die Wahlkampfmaschinerie bereits in vollen Gang. Die beiden Generalsekretäre Laurenz Meyer (CDU) und Thomas Goppel (CSU) treffen sich heute in Düsseldorf, um die ersten konkreten Schritte und die Verzahnung der Kampagnen beider Unionsparteien zu besprechen. Ende des Monats wird dann mit einem Paukenschlag der Unionswahlkampf eröffnet: Am 30. oder 31. Januar wird Edmund Stoiber auf einer Großkundgebung in Berlin sprechen und seine Leitlinien für die Auseinandersetzung mit Kanzler Schröder und der SPD ausgeben.

Während die Union noch auf der Suche nach einem geeigneten Ort für diesen Wahlkampfauftakt ist, zeichnet sich bereits jenes Kompetenzteam, auf das Stoiber in erster Linie setzen möchte, in seinen Konturen ab. Vier Unionspolitiker sollen ihm auf jeden Fall angehören: Friedrich Merz, der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, der frühere CDU-Vorsitzende Wolfgang Schäuble sowie die beiden ehemaligen Bundesminister Volker Rühe und Horst Seehofer. Merz wird wahrscheinlich für den zentralen Themenkreis Wirtschaft und Finanzen stehen. Seehofer, der Sozialexperte der Union im Bundestag, drängt sich geradezu auf, um Arbeit, Soziales und Gesundheit zu repräsentieren. Auch Rühes Benennung als außenpolitischer Teamspieler gilt als sicher. Der frühere Verteidigungsminister ist nicht nur ausgewiesener Experte auf diesem Themenfeld, sondern seit langem ein guter Vertrauter von Stoiber. So gehörte der Hamburger schon früh zu den für Stoiber werbenden Kräften. Öffentlich nahezu unbemerkt berät er selbst sowie einige seiner engsten Mitarbeiter aus früherer Ministerzeit den bayerischen Ministerpräsidenten in der Außenpolitik.

Unklar ist noch, welches Kompetenzfeld Wolfgang Schäuble verkörpern soll. Im Grunde ist er neben Stoiber der einzige, der fast alle wichtigen Themen beherrscht und universal einsetzbar ist. Doch Stoiber schätzt Schäuble nicht nur wegen dessen überragenden Sachkenntnis und politischen Erfahrung, sondern auch als jenen, der ihm am ehesten guten Rat und sichere Einschätzungen für den Umgang mit der größeren und heterogenen Schwesterpartei CDU geben kann.

Neben diesen sozusagen gesetzten Angehörigen von Stoibers Team kommen eigentlich alle CDU-Ministerpräsidenten, Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm - der auch für Verteidigungspolitik stehen könnte -, und Bayerns Innenminister Günter Beckstein in Frage. Um eine stärkere Verankerung der Bundestagsfraktion in den Wahlkampf zu gewährleisten, könnte auch Stoiber-Befürworter Wolfgang Bosbach in die Mannschaft berufen werden, der sich in kürzester Zeit einen ausgezeichneten Ruf als Experte für Inneres erworben hat. Demgegenüber sind vereinzelt genannte Namen wie der des Berliner CDU-Politikers Rupert Scholz eher unbedeutend. Ob Michael Glos dem Kompetenzteam angehören wird, ist offen. Aber auch ohne formelle Benennung ist er dem CSU-Chef zur unentbehrlichen Hilfe geworden, gewissermaßen als Blindenhund im Berliner Dickicht, das Stoiber nicht kennt.

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