Politik : Stolpe: Platzeck kann noch Kanzler werden

Brandenburgs Ex-Ministerpräsident hält seinen Nachfolger auch nach dem Rücktritt als SPD-Chef für eine Zukunftshoffnung der Partei

Stephan Haselberger

Berlin - Brandenburgs ehemaliger Ministerpräsident Manfred Stolpe hält eine Kanzlerkandidatur seines Nachfolgers Matthias Platzeck auch nach dessen Rücktritt vom SPD-Bundesvorsitz für möglich. „Das ist nicht vorbei“, sagte der Ehrenvorsitzende der brandenburgischen SPD in einem Interview mit dem Tagesspiegel am Sonntag. Platzeck könne sehr wohl noch Bundeskanzler werden: „Nicht morgen und nicht übermorgen. Aber nach einem starken Vertrauensbeweis bei der Landtagswahl 2009 ist das durchaus möglich.“ Stolpe sagte zur Begründung, die SPD habe nicht „so viele Talente von Platzecks Kaliber“ aufzuweisen. „Die Fähigkeit, auf Menschen zugehen zu können und ihnen zu verstehen zu geben, dass man ihre Belange ernst nimmt und sich darum kümmert, ist eine ganz besondere Gabe, über die manche andere, die jetzt über eigene Kanzlerkandidatur-Ambitionen nachdenken mögen, nicht verfügen.“

Für die Bundestagswahl 2009 werden in der SPD neben dem künftigen Parteivorsitzenden Kurt Beck auch Umweltminister Sigmar Gabriel und Finanzminister Peer Steinbrück als mögliche Kandidaten genannt. Gabriel hatte sich allerdings für Beck ausgesprochen. Der designierte Vize-Vorsitzende der SPD, Jens Bullerjahn, warnte seine Partei unterdessen vor einer Kanzlerkandidatendebatte.

Für Platzecks Scheitern als Vorsitzender SPD macht Stolpe auch die parteiinterne Debatte um das Profil der Sozialdemokratie in der großen Koalition verantwortlich. Angesichts schlechter Umfragewerte „sucht man nach einer einfachen Erklärung, ruft nach mehr Profil und macht so einen Vorsitzenden kaputt“. Zugleich deutete Stolpe an, Platzeck habe sich von SPD-Fraktionschef Peter Struck und Vizekanzler Franz Müntefering nicht ausreichend unterstützt gefühlt. „Es mag da bei ihm auch unterschwellige Enttäuschungen gegeben haben.“

Auf die Frage, warum Platzeck angesichts seiner angeschlagenen Gesundheit den SPD-Vorsitz nicht von vornherein Ministerpräsident Beck überlassen habe, sagte Stolpe: „Dann hätte Beck die Wahl in Rheinland-Pfalz möglicherweise verloren. Deshalb stand er gar nicht zur Verfügung und deshalb hatte Matthias Platzeck auch keine Wahl. Insofern war der SPD-Vorsitz für ihn auch ein Opfergang.“ Als SPD-Vorsitzender könne man „kurzfristig schwer einen Blumentopf gewinnen und kaum greifbare Erfolge erzielen“, fügte Stolpe hinzu.

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