Politik : Stolpe würde Burkhard Dreher gern im Kabinett halten - oder wieder aufnehmen

Thorsten Metzner

Erscheint der Nachfolgekandidat zur Verabschiedung von Wirtschaftsminister Burkhard Dreher? Nein, sagt CDU-Landeschef Jörg Schönbohm am Telefon. "Man muss es ja nicht spannender machen als es so schon ist!" Das klingt nicht wie ein Dementi. Aber sonst sind am Montagmittag zum letzten Sektempfang zu Ehren Drehers, der nun in den Vorstand des VEW-Energieriesen nach Dortmund wechselt, noch einmal alle erschienen: Fraktionskollegen und Minister-Kollegen. Natürlich der Regierungschef. Unternehmer und Gewerkschafter. Freunde und - davon gab es für das Schlüsselressort erstaunlich wenige - Kritiker wie der frühere SPD-Landtagsabgeordnete Jochen Franck.

Auch Potsdams IHK-Hauptgeschäftsführer Peter Egenter ist da, der nach Wunsch Stolpes eigentlich Dreher beerben sollte, wodurch das SPD-Wahldebakel und die Koko-Schlagzeilen gegen Egenter einen Strich machten. Egenter nimmt es gelassen. "Ich kann damit leben." Denn dass das Wirtschaftsministerium an die CDU fallen wird, gilt als sicher. Auch im Ministerium selbst sieht man das Ganze wohl überwiegend pragmatisch. Ein bisschen Wehmut gewiss, aber kaum Vorbehalte gegen den bevorstehenden Personal- und Parteibuchwechsel an der Spitze des Ressorts. Allenfalls ein wenig "distanziert" sei die Stimmung noch, beobachtet Uwe Bartsch, CDU-Wirtschaftsexperte der alten und neuen Landtagsfraktion. Von Unsicherheit wie im Sozialministerium kann im Wirtschaftsministerium keine Rede sein, so ein Referatsleiter. "Es ist ja ein Ministerium, das im demokratischen Wechsel erprobt ist", formuliert es Dreher in seiner mit belegter Stimme vorgetragenen Abschiedsrede. Eingeweihte können das sogar als Anspielung verstehen: Als Dreher, vorher Wirtschaftsförderer und Oberstadtdirektor in Bochum und Dortmund, vor fünf Jahren das Ressort übernahm, galt es als klassisches "FDP-Ministerium": Gegen die Besetzung des Wissenschaftsressorts, des zweiten "FDP-Ladens", mit SPD-Landeschef Steffen Reiche gab es damals Unterschriftensammlungen. Im Wirtschaftsministerium nicht. "Es ist immer ein loyales Haus gewesen", sagt Dreher, der in seiner letzten Rede als Minister auch auf manche Schwierigkeiten anspielt, nie direkt, sondern auf seine Weise in leisen-humorigen Tönen. Einmal, das sagt er nicht, drohte er indirekt mit Rücktritt, als die Kofinanzierung für Bonner Bundesmittel für die regionale Infrastruktur nicht gesichert schien. Und natürlich sagt der Sozialdemokrat, dass er mit der SPD-Fraktion, mit dem verbreiteten Denken, dass der Staat jeden maroden Betrieb durch Subventionen retten könne, bisweilen quer lag. Insofern sehen manche die Große Koalition als Chance, den Wirtschaftsgedanken im Kabinettsgefüge zu stärken. Und Ministerpräsident Stolpe, der Dreher nur schweren Herzens ziehen lässt, macht ihm zum Abschied gleich ein neues Angebot: Dreher könne ja 2004 "für weitere sieben Jahre" nach Brandenburg zurückkommen.

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