Politik : Strategiewechsel im Anti-Drogenkampf

USA wollen in Afghanistan die Mohnfelder nicht mehr aus der Luft zerstören

Anna Bawden

Berlin - Die US-Regierung ändert ihre Strategie im Anti-Drogenkampf in Afghanistan. Künftig sollen Mohnfelder nicht mehr flächendeckend mit Chemikalien aus der Luft besprüht und zerstört werden. Thomas Scheich vom „Bureau of International Narcotics and Law Enforcement Affairs“ sagte am Dienstag in der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik in Berlin: „Wir haben beschlossen, die Vernichtung der Felder aus der Luft zu stoppen.“ Das US-Außenministerium habe sich bereits vor einigen Wochen zu diesem Schritt entschlossen.

Es sei für die Soldaten zwar sicherer, die Felder aus der Luft anzugreifen, als die Mohnernte vom Boden aus zu zerstören, sagte Scheich. Jedoch sei diese Technik von anderen Alliierten, besonders den Briten, sowie der afghanischen Regierung scharf kritisiert worden.

Scheich sagte, die Mohnernte zu zerstören reiche allein aber nicht aus, um des Drogenproblems Herr zu werden. Inzwischen würden die Taliban ihren Widerstand gegen die internationale Gemeinschaft zu einem immer größeren Teil aus Drogengeld finanzieren. Dabei würden sie aber sowohl von wohlhabenden Großgrundbesitzern als auch korrupten Polizisten und Beamten unterstützt, die das Sicherheitsvakuum im Land zu ihrem Vorteil nutzen würden.

Die neue US-Strategie will auch verstärkt dem Umstand Rechnung tragen, dass die afghanischen Bauern eine Alternative zum Mohnanbau für die Opiumproduktion brauchen. Künftig sollen noch einmal wesentlich mehr Mittel in entsprechende Projekte fließen. Im Rahmen der „Good Performers Initiative“ soll bis zu 50 000 Dollar an Kommunen für Infrastrukturprojekte gezahlt werden, wenn diese mit dem Mohnanbau aufhören. Bisher haben die amerikanische und die britische Regierung rund 23 Millionen Dollar für die Initiative bereitgestellt. Scheich will aber noch einen Schritt weitergehen. Die US-Regierung hat beim Kongress bereits 50 weitere Millionen beantragt, und Scheich hofft, dass sowohl die deutsche als auch andere Regierungen sich dem Projekt anschließen.

Voraussichtlich wird die Mohnernte in Afghanistan in diesem Jahr sogar den Rekordwert von 2006 überschreiten. Das Land produziert etwa 93 Prozent des weltweiten Opiumbedarfs im Wert von vier Milliarden Dollar. Im Rahmen eines effektiveren Anti-Drogenkampfes wird es auch darum gehen, dass die afghanischen Polizeikräfte ein spezielles Training dafür erhalten. Anna Bawden

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