Streit um die doppelte Staatsbürgerschaft : Mehr als ein Papier

SPD und CDU ringen um die doppelte Staatsbürgerschaft. Für die Sozialdemokraten ist sie ein Muss, für die Union ein Graus. Kann es eine gemeinsame Lösung geben?

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Es ist einer der größten Streitpunkte zwischen Union und SPD. Vor allem einer, an dessen Ende es eigentlich nur Schwarz oder Weiß gibt. Besonders Kinder mit türkischen Eltern sind von der deutschen Doppelpass-

Regelung betroffen.

Was sieht die bisherige Regelung genau vor?

Die aktuelle Regelung besagt, dass in Deutschland geborene Kinder von ausländischen Eltern, die keine Deutschen sind, neben der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern auch die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten. Allerdings gibt es Einschränkungen: Ein Elternteil muss seit acht Jahren in Deutschland leben und zum Zeitpunkt der Geburt ein unbefristetes Aufenthaltsrecht besitzen. Außerdem, und das ist der Knackpunkt in den Koalitionsverhandlungen, muss sich das Kind mit den zwei Pässen im Alter zwischen 18 und 23 Jahren für einen Pass entscheiden. Aber es gibt Ausnahmen der Regel. So können beispielsweise viele Bürger aus anderen EU-Staaten, Schweiz oder den USA ihre zwei Pässe behalten. Außerdem gibt es rund 40 Länder wie Argentinien, Iran oder Marokko, die sich weigern, ihre Bürger aus der Staatsbürgerschaft zu entlassen.

Berliner Studenten über den Doppelpass
Die doppelte Staatsbürgerschaft könnte zum Streitthema der Bundestagswahl werden. Die SPD will den Doppelpass erlauben, die Union ist dagegen. Wir haben Berliner Studenten gefragt, was sie darüber denken. Miezan (23, links) und Niklas (23) befürworten die Einführung der doppelten Staatsbürgerschaft. "Auf jeden Fall", sagt Niklas. Es sei unfair, die Menschen zu zwingen, sich zwischen ihren Kulturen zu entscheiden. Foto: Mimoza TroniWeitere Bilder anzeigen
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05.02.2013 19:26Die doppelte Staatsbürgerschaft könnte zum Streitthema der Bundestagswahl werden. Die SPD will den Doppelpass erlauben, die Union...

Wer ist von der Regelung betroffen?

Automatisch erhalten Kinder, die nach dem 1. Januar 2000 geboren wurden, neben der Staatsangehörigkeit ihrer Eltern auch die deutsche. Allerdings können auch Kinder, die zwischen 1990 und 1999 geboren wurden zusätzlich zu ihrem vorhanden Pass einen deutschen beantragen. Deshalb läuft 2013 auch für die ersten sogenannten „Optionskinder“ die Frist zur Entscheidung für eine Staatsbürgerschaft ab. Denn die 1990 geborenen Kinder werden in diesem Jahr 23 Jahre alt und müssen sich demnach für eine Staatsbürgerschaft entscheiden.

Laut Mikrozensus 2012 gibt es in Deutschland insgesamt 1,4 Millionen Menschen mit Doppelpass. Diese Angaben beruhen auf einer Selbstauskunft. Die Meldebehörden wiederum kommen auf einen anderen Wert. Demnach gibt es 5,5 Millionen Menschen mit Doppelstaatlichkeit in Deutschland. Gründe für diese Differenz lassen sich laut Statistischem Bundesamt nur erahnen. So könnte es sein, dass viele gar nicht wüssten, dass sie zwei Pässe haben. Oder, dass es viele nicht wahrhaben wollten und sich nur einer Staatsangehörigkeit wirklich verbunden fühlten. Laut den Statistikern in Wiesbaden gibt es jährlich rund 30 000 sogenannte Optionskinder.

Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge hatte in einer Untersuchung aus dem Jahr 2011 festgestellt, dass es einem Drittel der Befragten lieber gewesen wäre, sich nicht entscheiden zu müssen. In der Studie gaben aber 98 Prozent an, sich für die deutsche Staatsangehörigkeit zu entscheiden. 176 junge Erwachsene des optionspflichtigen Jahrgangs 1990 haben sich bisher in diesem Jahr gegen eine deutsche Staatsbürgerschaft entschieden. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linken an die Bundesregierung hervor.

Durch die zahlreichen Ausnahmeregelungen ist das Thema doppelte Staatsangehörigkeit besonders für Kinder türkischer Eltern interessant. Laut Statistischem Bundesamt gab es 2012 69 000 türkische Optionskinder. Das sind 37,9 Prozent aller deutschen Doppelstaatler mit türkischer Staatsangehörigkeit.

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