Politik : Studie: Jede vierte Klinik wird schließen

Rainer Woratschka

Berlin - In den nächsten 15 Jahren wird in Deutschland jedes vierte Krankenhaus verschwunden sein. Dies ist das Ergebnis einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young, die am Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Von derzeit rund 2000 Kliniken überlebten gerade mal 1500. Die übrigen gäben auf oder schlössen sich zu größeren, konkurrenzfähigen Netzwerken zusammen. Schuld an dem Konzentrationsprozess sind vor allem zwei Faktoren: der medizinische Fortschritt und der wirtschaftliche Druck. Die kleinen Häuser schafften es nicht, mit der Effizienz und Innovationsbereitschaft der Großen mitzuhalten, sagt Stefan Viering von Ernst & Young. So werde die Verweildauer der Patienten bis 2020 weiter sinken – von 11,9 (im Jahr 2000) auf 6,2 Tage. Wer nicht so effektiv ist, zahlt drauf. Schließlich wird neuerdings nicht mehr nach Liegezeit, sondern nur noch nach dem jeweiligen Krankheitsfall abgerechnet.

Kommunen und Länder können sich jedoch eine großzügige Subventionierung immer weniger leisten. Die Folgen klingen dramatisch: Von den öffentlich- rechtlichen Kliniken müssten bis 2020 fast 70 Prozent schließen, prognostiziert die Studie. Entweder sie würden dichtgemacht oder privatisiert. Die Zahl privater Krankenhäuser steige im Gegenzug um 44 Prozent. Und die bilden dann, so das Studien-Szenario, vernetzte Einheiten mit ambulanten, stationären und präventiven Leistungen unter einem Dach. Aus Krankenanstalten würden „Gesundheitszentren, die mehr einem Hotel als den herkömmlichen Krankenhäusern gleichen“, sagt Nils Söhnle von Ernst & Young. Für die Patienten, die dann Kunden heißen, bedeutet das zweierlei: weitere Wege und höhere Kosten. Auch Letzterem haben sich die Verfasser der Studie gewidmet. Der Gesundheitskostenanteil der privaten Haushalte werde, so prognostizieren sie, deutlich steigen – von zwölf auf rund 30 Prozent.

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