Sturm auf Mossul : Der irakische Armeechef und sein Dilemma

Um diesen Job dürfte ihn niemand beneiden. Najim al Jabouri leitet den Sturm auf Mossul und steht vor einer kaum lösbaren Aufgabe. Ein Porträt

Benjamin Moscovici
Najim al Jabouri leitet den Sturm auf Mossul
Najim al Jabouri leitet den Sturm auf MossulFoto: picture alliance / Keles

Jabouris Problem: Nur mit der irakischen Armee wird al Jabouri den „Islamischen Staat“ nicht besiegen können. Doch je stärker er Verbündete in den Kampf einbindet, desto größer ist das Risiko, dass die Mission langfristig scheitert. Auch wenn Mossul militärisch erobert wird – eine Millionenstadt lässt sich nicht ohne die Unterstützung der Bevölkerung kontrollieren. Deshalb ist es so wichtig, dass die Eroberer als Befreier und nicht als Besatzer wahrgenommen werden. Al Jabouri weiß, dass das seine größte Herausforderung sein wird.

Die Angst der Sunniten

Nach dem Sturz von Saddam Hussein wurden Sunniten von allen wichtigen Posten in Politik, Armee und Polizei entfernt. Die anschließende Machtübernahme der Schiiten führte zu einem tiefen Gefühl der Benachteiligung unter den Sunniten. Diese Spannung stürzte das Land schließlich in einen blutigen Bürgerkrieg und bereitete damit den Boden für den IS. Als dieser dann vor zwei Jahren, im Juni 2014, Mossul eroberte, wurden die Dschihadisten von vielen der überwiegend sunnitischen Bewohner als Befreier vom schiitischen Joch gefeiert. Und nun fürchten die Einwohner Mossuls die Rache des Staates und der Armee.

Dennoch rechnet al Jabouri damit, dass die Bevölkerung die internationale Anti-IS-Koalition jetzt unterstützen wird. Das würden die Erfahrungen aus Falludscha und Ramadi nahelegen. Rund zwei Drittel der Bevölkerung seien bereit, sich gegen den IS zu erheben, ist al Jabouri überzeugt. Aber gleichzeitig bedeutet das in einer Millionenstadt eben auch, dass Zehn- vielleicht Hunderttausende weiterhin hinter dem IS stehen.

Aus der Vergangenheit lernen

Umso wichtiger sei es, sagt al Jabouri, die Fehler der Vergangenheit nicht zu wiederholen. Früh hat er daher erklärt, schiitische Milizen vom Sturm auf Mossul auszuschließen. Außerdem versprach er, sich direkt nach der Eroberung Mossuls um das Wohl der Bewohner zu kümmern. „Wir werden sofort mit Nahrungsmittellieferungen beginnen“, sagt al Jabouri.

Der Familienvater kennt die Risiken: Er weiß, dass die Sunniten die Schiiten fürchten, dass die Kurden ihren Staat wollen, während die Türkei einen Kurdenstaat verhindern will. Er weiß, dass der Iran die Schiiten unterstützt, während die Amerikaner die Kurden unterstützen. Aber alleine wird er den IS nicht besiegen können.

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