Stuttgart-21-Schlichtung : Gegner und Befürworter

DIE BEFÜRWORTER:

STEFAN MAPPUS, CDU-Ministerpräsident von Baden-Württemberg,
kämpft am runden Tisch nicht nur für den von ihm gewollten Neubau,
sondern auch um seine politische Zukunft. „Stuttgart 21“ überlagert
schon jetzt die im März stattfindenden Landtagswahlen. Die im
„Ländle“ bisher unangefochtene CDU muss um ihren Nimbus als
Regierungspartei fürchten.

TANJA GÖNNER, die Umwelt- und Verkehrsministerin von der CDU,
räumte Kommunikationsmängel im Zusammenhang mit dem Großprojekt
ein. Der 41-Jährigen sah sich zudem mit einem Filz-Vorwurf
konfrontiert: Sie zog sich deshalb aus dem Stiftungsrat eines
Shopping-Center-Betreibers zurück, der nach dem Abriss auf dem
Gelände des alten Bahnhofs investieren will.

WOLFGANG SCHUSTER, seit 1997 Stuttgarter CDU-Oberbürgermeister,
musste sich zuletzt immer wieder vorwerfen lassen, einen
Bürgerentscheid über das Jahrhundertprojekt in seiner Stadt
versäumt zu haben. Er hatte ihn im Wahlkampf 2004 für den Fall
zugesagt, dass die Kosten explodieren - diese Kostenexplosion sieht
Schuster aber nicht.

VOLKER KEFER, Technik-Vorstand der Deutschen Bahn, sitzt als
verlängerter Arm von Bahnchef Rüdiger Grube mit am runden Tisch.
Seine Aufgabe ist, die laut Bahn durch den neuen Bahnhof und die
Schnellverbindung nach Ulm entstehenden Vorteile zu erläutern.

JOHANNES BRÄUCHLE, von Beruf evangelischer Pfarrer, ist der Kopf
der Initiative „Pro Stuttgart 21“. Diese brachte inzwischen schon
wiederholt mehrere tausend Menschen auf die Beine, um für das
Projekt zu demonstrieren. Die Initiative hat wachsenden Zulauf und
verweist vor allem auf 100.000 Unterstützer im Internet.

THOMAS BOPP, CDU-Landtagsmitglied, sitzt als Vorsitzender des
Verbands Region Stuttgart mit am Tisch.

BERNHARD BAUER arbeitet als Ministerialdirektor im
Verkehrsministerium sein seiner Ministerin und Ministerpräsident
Mappus inhaltlich zu.

DIE GEGNER:

GANGOLF STOCKER ist die Gallionsfigur der Neubau-Gegner. Er
kämpft schon seit 15 Jahren gegen das Projekt, doch erst seit
Beginn der Abrissarbeiten mit einer über Stuttgart hinaus
reichenden Resonanz. Im Stadtrat konnte der Maler mit seinem
Bündnis Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS) den Baubeginn nicht
verhindern.

BORIS PALMER vertrat als grüner Tübinger Oberbürgermeister am
Freitag Grünen-Landtagsfraktionschef Winfried Kretschmann. Palmer
ist einer der populärsten Grünen im „Ländle“. Schon im April und
damit lange vor der Eskalation hatte er ein ähnliches
Schlichtungsverfahren angeregt, wie es nun stattfindet.

PETER CONRADI ist Architekt und gehörte auch in der frühen
Planungsphase schon zu den Gegnern. Der langjährige
SPD-Bundestagsabgeordnete konnte mit seiner Skepsis allerdings
seine eigene Partei nicht überzeugen, diese befürwortete den Bau.

KLAUS ARNOLDI ist stellvertretender Landeschef des Verkehrsclub
Deutschland. Er kämpft auf Vorträgen seit Jahren für seine
Forderung nach einer Renovierung des Kopfbahnhofs, das Modell „K21“.

BRIGITTE DAHLBENDER ist Landesvorsitzende des Bund für Umwelt
und Naturschutz Deutschland (BUND). Sie befürwortet zwar
Milliardeninvestitionen der Bahn, um diese gegen das Auto zu
stärken - im Fall „Stuttgart 21“ hält sie das Geld aber für
fehlgeleitet.

HANNES ROCKENBAUCH ist Stadtrat der SÖS. Mit 30 Jahren ist der
Student der jüngste Teilnehmer am runden Tisch. Zu Beginn der
Abrissarbeiten am alten Nordflügel gehörte er zu einer Gruppe
Demonstranten, die das Gebäude kurzfristig besetzten - die Bahn
zeigte ihn an.

WERNER WÖLFLE ist bei den Landtags-Grünen Verkehrsexperte. Im
Stuttgarter Stadtrat, in dem er seit 1993 sitzt, konnte er sich mit
seinen Vorbehalten gegen den Neubau nicht durchsetzen.

AFP

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