Politik : Sudetendeutscher Tag: Von guten Geistern verlassen (Kommentar)

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Das Ganze wirkte wie ein Rückzugsgefecht. Umso schriller die Töne, umso aggressiver die Reden. Bei dem Pfingsttreffen der Sudetendeutschen stand auch der Hauptgegner fest: die rot-grüne Bundesregierung. Nicht mehr so sehr in Prag, dort gebe es schließlich immer mehr versöhnliche Stimmen mit konstruktiven Vorschlägen, sondern in Berlin liege das Problem. Die Schröder-Fischer-Truppe betreibe mit den Anliegen der Vertriebenen gegenüber Tschechien eine sträfliche Verzichtspolitik - bar historischen Sachverstands. Allen voran der Landesvater des "vierten Stamms Bayerns", Stoiber, kochte mit diesen sudendeutschen Zutaten eine eigene, kräftige parteipolitische Suppe. Das war natürlich der reinste, noch dazu ausgetretene, Populismus. Die Vertriebenen-Themen werden in Deutschland innenpolitisch gerne instrumentalisiert, die wirklichen Opfer mit ihrer Trauer allein gelassen. Lange wurden sie mit falschen Hoffnungen "entsorgt", jetzt werden sie von der Realität geschockt. Rot-Grün in Berlin muss nun jene Enttäuschung auslöffeln, die ihnen Schwarz in München mit unerfüllbaren Versprechen eingebrockt hat. Mitgefühl mit den "von allen verlassenen" Sudetendeutschen kommt jetzt - noch leise - eher aus Prag. Vielleicht der Anfang einer gemeinsamen Trauerarbeit.

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