Politik : Süd- und Nordkorea: Die geteilten Länder wollen Misstrauen beenden

Erstmals seit der Teilung sind am Montag die Verteidigungsminister der beiden koreanischen Staaten zu offiziellen Gesprächen zusammengekommen. Ein Sprecher des südkoreanischen Verteidigungsministeriums sagte, der südkoreanische Gastgeber Cho Sung Tae und sein nordkoreanischer Kollegen Kim Il Chul hätten während des eineinhalbstündigen Treffens in Cheju verabredet, die Abkommen des Gipfeltreffens ihrer Staatschefs im Juni zu unterstützen. Die Minister hätten erklärt, beide Seiten sollten ihr Misstrauen beenden und eine Versöhnung anstreben. Konkret helfen die Militärs federführend beim Bau der ersten Landverbindungen zwischen Nord und Süd.

Der in eine Uniform gekleidete Kim lächelte und reichte dem ehemaligen General Cho vor Beginn der Gespräche auf der Insel Cheju die Hand. Beide Seiten wollten vor der Abreise der nordkoreanischen Delegation an diesem Dienstag erneut zusammenkommen. Kim Il Chol und Cho Seong Tae hätten neben der Beteiligung der Armeen beim geplanten Bau einer Eisenbahnlinie und einer Autobahn durch den stark verminten Todesstreifen an der Grenze auch über andere vertrauensbildende Maßnahmen besprochen, sagte der Sprecher. Die Beziehungen sollten im Geiste des Gipfeltreffens vor drei Monaten entwickelt werden. Im Juni hatten sich erstmals seit dem Ende des Korea-Krieges im Jahr 1953 die beiden Präsidenten, Kim Dae Jung aus dem Süden und Kim Jong Il aus dem Norden getroffen.

Die Vereinbarung, bis September nächsten Jahres Landverbindungen zu schaffen, ist das bislang konkreteste Ergebnis des Tauwetters, das mit dem Gipfel begann. Cho hat angekündigt, er werde die Bildung einer Arbeitsgruppe vorschlagen, die nicht nur die Bauphase überwacht, sondern sich dann auch um die Verwaltung der Bahnlinie und der Autobahn kümmert. Ferner werde er einige vertrauensbildende Maßnahmen entlang der Demarkationslinie vorschlagen, etwa die Schaltung einer telefonischen Direktverbindung. Völkerrechtlich gesehen befinden sich beide Staaten auch nach dem Ende des Krieges von 1950/53 noch im Kriegszustand.

Nordkorea bestätigte am Montag die Einschätzung des Südens, dass im Norden ein neuer Hungerwinter bevorstehe. Die amtliche Nachrichtenagentur KCNA berichtete, wegen einer extremen Trockenheit und zuletzt eines tropischen Wirbelsturms sei ein Großteil Nahrungsmittel wie Reis und Mais vernichtet worden. Es fehlten schätzungsweise insgesamt 1,4 Millionen Tonnen Getreide. "Deshalb steht fest, dass auch im nächsten Jahr die Lebensmittel knapp sein werden", hieß es in der Schlussfolgerung.

Nordkorea droht neue Hungersnot

Bereits am Sonntag hatte der südkoreanische Präsident Kim bei einem Besuch in Japan erklärt, in Nordkorea habe es die größte Dürre seit 100 Jahren gegeben. Die Nahrungsmittelknappheit werde sich im nächsten Jahr möglicherweise noch weiter verschlimmern. Südkorea forderte auch Japan zur Lieferung von Reis an Nordkorea auf. Eine kanadische Hilfsorganisation warnte bereits, dass ohne internationale Hilfe dem Norden Hungersnöte wie 1996 und 1997 drohten. Nach Angaben des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen sind acht Millionen der 22 Millionen Einwohner Nordkoreas vom Hunger bedroht, wenn die internationale Gemeinschaft nicht 100 Millionen Dollar bereitstellt.

Während der Aussaat von Reis und Mais, den beiden wichtigsten Grundnahrungsmitteln des Landes, sei extrem wenig Regen gefallen, so dass Felder und Stauseen austrockneten. Das Getreide sei in der bis Mitte August anhaltenden Hitze verdorrt. Anschließende Stürme hätten kostbaren Ackerboden unter Schlamm verschüttet oder weggeschwemmt, hieß es in der Erklärung eines nicht näher bezeichneten Direktors des nordkoreanischen Landwirtschaftsministeriums.

Ebenfalls am Montag trafen sich Delegationen aus Nord- und Südkorea in Seoul zu Gesprächen über Investitionen im verarmten Norden. Der Leiter der südkoreanischen Delegation, Lee Keun Kyong, sagte, es gehe um die Unterzeichnung von Abkommen, mit denen Investitionen in Nordkorea geschützt werden und die doppelte Besteuerung abgeschafft werden sollten. Außerdem sollten in Zukunft Banktransaktionen über die innerkoreanische Grenze hinweg möglich sein.

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