Südchinesisches Meer : China provoziert US-Marine – oder umgekehrt?

Ein Zwischenfall im Südchinesischen Meer hat zu einem scharfen diplomatischen Schlagabtausch zwischen Peking und Washington geführt. Nachdem sich am Sonntag fünf chinesische Schiffe bis auf acht Meter einem Aufklärer der US-Marine näherten, warfen beide Seiten sich gegenseitig militärische Provokationen vor.

Bernhard Bartsch

Peking - Das Pentagon sprach von einem „rücksichtslosen, gefährlichen Manöver“ in internationalem Gewässer, Peking dagegen von unerlaubten Messungen vor seiner Küste. „Die Angaben der USA stehen im krassen Widerspruch zu den Fakten, verwechseln Schwarz mit Weiß und sind für China völlig inakzeptabel“, erklärte Chinas Außenministeriumssprecher Ma Zhaoxu. Der Vorsitzende der US-chinesischen Arbeitsgruppe im US-Repräsentantenhaus, Mark Kirk, kündigte seinerseits einen scharfen Protest in Peking an und bezeichnete es als „überraschend“, dass China nur zweieinhalb Wochen vor dem ersten Treffen zwischen US-Präsident Barack Obama und Chinas Staatschef Hu Jintao ein US-Schiff bedränge.

Nach Darstellung des Pentagon hatte die Konfrontation 120 Kilometer vor der chinesischen Insel Hainan stattgefunden. Die „USNS Impeccable“, die Sonardaten sammelt, habe sich im Rahmen einer standardmäßigen Aufklärungsmission in der Region aufgehalten, als fünf chinesische Schiffe, darunter ebenfalls ein Aufklärer, es umringten. Nachdem die US-Soldaten die zivile Besatzung an Bord beauftragte, die chinesischen Boote mit Wasser aus einem Löschschlauch zu bespritzen, hätten die chinesischen Soldaten sich bis auf die Unterwäsche ausgezogen, hieß es. Das US-Schiff forderte die Chinesen daraufhin per Funk auf, den Weg frei zu machen, worauf zwei chinesische Schiffe vor dem Bug Position bezogen.

In den vergangenen Jahren ist es im Südchinesischen Meer bereits mehrfach zu Konfrontationen zwischen chinesischen und amerikanischen Soldaten gekommen. Der für die Asienpazifik-Region zuständige US-Kommandant Timothy Keating hatte deshalb kürzlich die Einrichtung eines eigenen Kommunikationskanals vorgeschlagen. China müsse „verstehen, dass es Verkehrsregeln gibt“, sagte der Admiral. Peking fordert allerdings, dass es keine Konflikte gäbe, würde die US-Armee genug Abstand zur chinesischen Küste halten. China macht dabei eine „exklusive Wirtschaftszone“ geltend, die sich bis 200 Kilometer vor seiner Küste erstrecke. Bernhard Bartsch

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