Südkorea : Wer regiert das Land: Präsidentin oder Schamanin?

Die südkoreanische Präsidentin Park Geun Hye könnte über eine rätselhafte Beziehung zu einer Schamanin stürzen. Schon seit Wochen demonstrieren Hundertausende im Land gegen sie.

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Am Samstag demonstrierten in Seoul fast eine Million Menschen gegen die Präsidentin Park Geun Hye.
Am Samstag demonstrierten in Seoul fast eine Million Menschen gegen die Präsidentin Park Geun Hye.Foto: AFP

Was korrupte Präsidenten betrifft, sind die Südkoreaner einiges gewohnt. Seit Mitte der 80er Jahre hat es keinen Präsidenten gegeben, der sich nicht gegen Bestechungsvorwürfe wehren musste. Die Vorwürfe gegen die amtierende Präsidentin Park Geun Hye aber bilden einen neuen Tiefpunkt. „Nicht, weil die Koreaner entdeckt haben, dass Park korrupt ist“, wie der US-amerikanische Blogger „The Korean“ erklärt, „sondern weil sie entdeckt haben, dass Park auf irrationale Weise korrupt ist.“

Südkorea rätselt über die Art der Beziehung zwischen Park Geung Hye und ihrer langjährigen Vertrauten Choi Soon Sil, die die Tochter des Sektenführers Choi Tae Min ist. Die Verbindung scheint sehr eng gewesen zu sein, und das Land fragt sich, wer eigentlich Südkorea regiert hat: die gewählte Präsidentin – oder eine Schamanin, die kein offizielles Amt besitzt? Wie sich herausgestellt hat, schrieb Choi Soon Sil nicht nur Reden der Präsidentin um und suchte deren Kleidung für Staatsbesuche raus, sondern sie verteilte das Budget des Kulturministeriums, rund 150 Millionen US-Dollar. Die 60-Jährige soll ihre inoffizielle Stellung auch genutzt haben, um sich zu bereichern. Über zwei Stiftungen sammelte sie von Großkonzernen, darunter Hyundai und Samsung, 70 Millionen Dollar ein, von denen sie eine große Summe für eigene Zwecke genutzt haben soll. Zum Beispiel, um die Reitsportkarriere ihrer Tochter zu fördern. Choi sitzt inzwischen in Untersuchungshaft.

Die Präsidentin hat eine tragische Familiengeschichte

Park Geun Hye hat dazu erklärt, sie habe sich in „schwierigen Zeiten“ an ihre Freundin gewandt. Die 64 Jahre alte Präsidentin hatte eine tragische Familiengeschichte. Erst fiel ihre Mutter einem politisch motivierten Attentat zum Opfer, dann auch ihr Vater. In ihrer Einsamkeit vertraute sie sich offenbar Choi Soon Sil an. Schon die Väter der beiden Frauen standen sich sehr nahe. Der Führer der Sekte „Kirche der Ewigkeit“ war ein Mentor für den Militärdiktator Park Chung Hee. Das persönliche Schicksal kann Parks Abhängigkeit von der Schamanin erklären – aber nicht entschuldigen.

Es kursieren sogar Gerüchte über „schamanistische Rituale“ in Parks Amtssitz. Die Präsidentin bestreitet das und hat sich bei der Bevölkerung entschuldigt. Doch die Koreaner verlangen ihren Rücktritt, fast eine Million Menschen demonstrierten am Wochenende in Seoul gegen sie. Die Staatsanwaltschaft ermittelt nun gegen die Präsidentin und ihre Vertrauten. Es besteht der Verdacht auf Machtmissbrauch.

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Massenproteste gegen Präsidentin Park in Südkorea
Massenproteste gegen Präsidentin Park in Südkorea


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