Politik : Synagogen-Anschlag: Zum Entschuldigen verurteilt

Jürgen Zurheide

Wegen des Brandanschlags auf die Düsseldorfer Synagoge ist am Mittwoch einer der Attentäter zu einer Jugendstrafe von einem Jahr und sechs Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Das Gericht hat die Strafe mit harten Bewährungsauflagen versehen und verlangt daneben, dass sich der heute 19-jährige arabischstämmige Mann im Rahmen des Täter-Opfer-Ausgleichs bei der jüdischen Gemeinde in Düsseldorf entschuldigt. "Das wird nicht wieder vorkommen", hatte er in seinem Schlusswort vorgetragen und das Gericht offenbar überzeugt, dass dies ein ernsthafter Vorsatz ist. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Jugendstrafe von einem Jahr und zehn Monaten ohne Bewährung gefordert.

Das Verfahren gegen den mutmaßlichen zweiten Täter war abgetrennt worden. Der inzwischen 20-jährige Mittäter hatte die drei Molotow-Cocktails geworfen und war gemeinsam mit dem jetzt Verurteilten wenig später bei der Attacke auf die Synagoge in Essen aufgefallen. Nur fünf Tage nach dem Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge waren die beiden jungen Männer in Essen ins Visier der Fahnder geraten, als etwa 200 fanatisierte Gewalttäter versuchten, die Synagoge zu stürmen. Dabei gingen mehr als 30 Fensterscheiben zu Bruch. Der 20-Jährige, der in Morokko geboren wurde und inzwischen die deutsche Staatsangehörigkeit besitzt, wird zudem verdächtigt, bei der Aktion in Essen mehrere Schüsse aus einer Schreckschusspistole abgegeben zu haben. Er wird sich Anfang April ebenfalls in Düsseldorf wegen beider Vorgänge verantworten und kann kaum mit einer Bewährungsstrafe rechnen.

Die beiden hatten sich wenige Tage vor der Attacke auf die Düsseldorfer Synagoge darauf verständigt, das jüdische Gotteshaus anzugreifen. "Wir wollten ein Zeichen gegen die Gewalt setzen", erklärte der 19-Jährige jetzt vor Gericht und verwies darauf, dass sie beide empört auf die Bilder aus dem Nahen Osten reagiert haben, als israelische Sicherheitskräfte einen jungen Palästinenser vor den Augen der Weltöffentlichkeit auf einer Straßenkreuzung erschossen haben. "Da ist die Wut in mir hochgekommen", verteidigte sich der junge Mann jetzt vor Gericht. Er bestritt allerdings, dass sie einen Brand legen wollten: "Ich schwöre bei Gott, wir wollten das Haus nicht anstecken."

Von den antisemitischen Pamphleten, die bei ihm in der elterlichen Wohnung gefunden wurden, will der junge Mann nichts gewusst haben. Sein Vater hat früher für die PLO als Offizier gedient, er selbst lebt bis heute mit der insgesamt zwölfköpfigen Familie in einer Vier-Zimmer-Wohnung. Ihr Asylantrag wurde abgelehnt. Das Gericht hat nicht klären können, ob es Verbindungen zu deutschen Rechtsextremisten gibt, unter anderem hatte man Hitler-Bilder gefunden, in einen Türrahmen war ein Hakenkreuz eingeritzt.

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