Politik : Synode der EKD: Wer sind wir Protestanten eigentlich?

Susanne Tenhagen

Ökumene - die Annäherung aller Kirchen und Gläubigen - ist das Thema der neunten Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD). Um sich zu behaupten in Zeiten der Globalisierung und der Flucht aus der Kirche, müsse man zusammenstehen. Ganz im Sinne von Offenheit wollten viele Delegierte die Synode für die Teilnahme an der Anti-Rassismus-Kundgebung in Berlin unterbrechen. Doch sie kamen mit ihrem Vorschlag nicht durch. Statt dessen wolle man in Braunschweig am 9. November an einer jüdischen Gedenkfeier teilnehmen. Man sei in Berlin nur eine kleine unscheinbare Gruppe, hieß es zur Begründung.

Somit geht es in Braunschweig eher um die Theorie der Ökumene (griechisch: bewohnbare Welt). Doch was ist eigentlich ihr Ziel? Eine vereinigte katholisch-evangelisch-orthodoxe Kirche? Es gehe um eine Vertiefung von Mehrgemeinschaft, sagte der Präsident des Ökumenischen Rates der Kirchen, Konrad Raiser. "Der Weg ist das Ziel". Denn auf dieser Reise würde man sich verändern. Dem widersprach der katholische Bischof Joachim Wanke aus Erfurt, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen (ACK), entschieden. "Die Einheit der Kirche ist das Ziel", sagte der Bischof. Sie müsse sicher weniger straff organisiert sein als die katholische Kirche es derzeit ist. Auch wegen ihrer Betonung des Kirchenamtes.

Die evangelische Kirche definiert sich vom Glauben her. Doch gerade dies macht den Protestanten Probleme. "Wer sind wir eigentlich?", diese Frage wird in Braunschweig oft gestellt. Darum wundert es nicht, das auch die Protestanten noch lange nicht mit einer Stimme sprechen. Da sind die Reformierten, die Lutheraner, die Kirche der Union, Anglikaner und Freikirchen. Endlich müsse es eine gesamtprotestantische Synode geben, sogar einen protestantischen Weltbund, forderte EKD-Präsident Manfred Kock. Auch eine europäisch-evangelische Synode ist im Gespräch. Im Jahr 2003 wird es in Berlin einen ökumenischen Kirchentag geben. Die Protestanten wünschen sich dann ein gemeinsames Abendmahl mit den Katholiken, was die ihnen bislang verweigern. Wir können doch keine Kirchengemeinschaft fordern, klagte deshalb ein Delegierter, wenn wir noch nicht einmal wissen, was wir zum Abendmahl servieren sollen.

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