Politik : Syrische Armee zieht weitere Truppen um Aleppo zusammen

Rebellengruppe behauptet, entführte iranische Pilger seien Elitesoldaten/ Teheran fordert Freilassung.

Nahe Aleppo - Die 20 000 um Aleppo postierten syrischen Soldaten haben nach Armeeangabe Verstärkung erhalten. „Die Truppen sind jetzt bereit für den entscheidenden Angriff, warten aber auf die Befehle“, sagte ein Vertreter der Sicherheitskräfte der Nachrichtenagentur AFP. „Der Krieg kann sich jedoch in die Länge ziehen, denn zur Vertreibung der Terroristen wird es Straßenkämpfe geben.“ Die eigentliche Schlacht um Aleppo stehe noch aus.

Unklar blieb das Schicksal von 48 von Rebellen in Damaskus verschleppten Iranern, die nach Angaben der Geiselnehmer keine Pilger, sondern Milizionäre und Elitesoldaten sein sollen. Zu den verschleppten Iranern strahlte der Fernsehsender Al Arabija ein Video aus, in dem ein Vertreter der Geiselnehmer erklärt, die 48 Geiseln seien iranische Milizionäre und zum Teil Revolutionsgardisten. Die Revolutionsgarden sind eine Elitetruppe der iranischen Führung. Ein Video, das der saudische Nachrichtensender Al Arabija am Sonntag ausstrahlte, zeigt einen Teil der Entführten in der Gewalt der sogenannten Al-Baraa-Märtyrerbrigade. In dem Video zeigt der Kommandeur der Einheit, Nasser al Schumeir, ausweisartige Dokumente in die Kamera, die die Zugehörigkeit der Entführten zu den Revolutionsgarden beweisen sollen. Die Angaben konnten nicht unabhängig überprüft werden.

Der Iran steht aufseiten des Regimes von Assad. Die syrischen Rebellen werden vom iranischen Erzrivalen Saudi-Arabien mit Geld und Waffen gestützt. Der Sender Al Arabija, der das Video zeigte, gehört einem saudischen Geschäftsmann mit enger Bindung an das saudische Herrscherhaus. Die iranische Regierung forderte die Türkei und Katar auf, sich für die Freilassung der Geiseln einzusetzen. Beide Länder unterstützen die syrischen Rebellen. Diese sind überwiegend sunnitischen Glaubens. Sie prangern Teherans Unterstützung für Präsident Baschar al Assad an, der zur schiitisch-alawitischen Glaubensrichtung gehört. Extremistische Sunniten erkennen Schiiten zudem nicht als vollwertige Muslime an.

In Aleppo konzentrierten sich die Kämpfe zwischen den Regierungstruppen und den Aufständischen der Freien Syrischen Armee unterdessen auf den Stadtteil Salaheddin, der als Einfallstor in das Zentrum gilt. Zur Entlastung Aleppos greifen die Rebellen fast jede Nacht den nahe gelegenen Militärflughafen Mannagh an, wo die Armee Hubschrauber stationiert hat. Die Kampfflugzeuge der Luftwaffe kommen unterdessen aus Idlib und anderen Regionen und nichts scheint sie aufhalten zu können. Der regierungsfeindliche Syrische Nationalrat beschuldigte die Armee, durch ihren Beschuss viele historische Bauten zu gefährden. Die Altstadt von Aleppo, eine der ältesten Städte der Welt, gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Die Hauptstadt Damaskus befand sich am Sonntag nach Armeeangaben wieder vollständig unter Kontrolle der Streitkräfte.AFP

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