Politik : Tadschikistan: Deutsche Helfer entführt

Elke Windisch

Eine Gruppe von Mitarbeitern der Deutschen Welthungerhilfe ist in der zentralasiatischen Republik Tadschikistan von bewaffneten Geiselnehmern verschleppt worden. Zunächst war von insgesamt 15, später von elf Geiseln die Rede, darunter zwei Deutsche und ein USA-Bürger. Der Rest seien Einheimische, sagte am Samstag ein Vertreter der deutschen Botschaft in Tadschikistan gegenüber der russischen Nachrichtenagentur Interfax.

Die Geiselnahme hatte sich im Landkreis Tawildara, rund 170 km nordöstlich der Hauptstadt Duschanbe, am Freitagabend ereignet. Das Gebiet im Vorbgebirge des Pamirs gilt als Hochburg der islamisch geprägten Opposition Tadschikistans und wird von der Regierung seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion im Dezember 1991 faktisch nicht mehr kontrolliert.

Die Entführer, die am Samstag vier Geiseln freiließen, gehören zum radikalen Flügel der islamistischen Opposition, der im letzten Sommer aus den unter UN-Regie ausgehandelten Friedensabkommen ausstieg, mit denen im Juni 1997 ein mehrjähriger Bürgerkrieg beendet worden war. Die radikalen Islamisten unterhalten enge Kontakte zu islamischen Extremisten, die in Lagern der Taliban im benachbarten Afghanistan für Terroranschläge ausgebildet werden. Auf ihr Konto geht eine Reihe von Anschlägen gegen Vertreter der tadschikischen Regierung im Frühjahr, denen zahlreiche Verhaftungen folgten. Ein Sprecher des tadschikischen Innenministeriums teilte mit, dass die Entführer den Austausch der Geiseln gegen ihre inhaftierten Kampfgefährten fordern. Mit den Entführern würden Verhandlungen geführt.

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