Tag der Deutschen Einheit : Merkel fordert mehr Zuversicht

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) ruft die Deutschen zu mehr Zuversicht auf. "Sehen wir die Chance vor dem Risiko, wecken wir die Kraft der Freiheit für Solidarität und Gerechtigkeit, setzen wir Ideen in Taten um", sagte Merkel.

Kiel - Sie habe in den vergangenen 16 Jahren die Erfahrung gemacht, "dass wir aus Angst vor dem Neuen lieber an Bekanntem festhalten", sagte Merkel in ihrer Rede beim zentralen Festakt zum Tag der Deutschen Einheit in Kiel. Dagegen habe beim Umbruch im Herbst 1989 die Maxime "Nicht fragen, was nicht geht, sondern fragen, was geht" gegolten. Dies könne auch heute wieder Vorbild sein.

Die Bundeskanzlerin warb für eine "Verantwortungspartnerschaft zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern, Bund und Ländern, Alten und Jungen, Gesunden und Kranken". Dann könne die Gesellschaft in der Bundesrepublik auch in Zukunft "lebenswert und solidarisch sein". Die Kanzlerin würdigte den Tag der Deutschen Einheit als "Tag der Freude" und verwies auf die Erfolge beim Aufbau Ost. Viele ostdeutsche Innenstädte erstrahlten "im neuen Glanz", die Umwelt sei sauberer geworden, die Gesundheitsversorgung habe sich verbessert, und ein "fester Kern wettbewerbsfähiger Unternehmen" sei mit neuen und innovativen Produkten erfolgreich.

Gleichwohl hätten sich nicht alle Hoffnungen erfüllt, fügte Merkel hinzu. Dabei habe sie die Erfahrung gemacht, "wie sehr sich das Leben von der Substanz auch in die Bundesrepublik eingeschlichen hat", betonte die Regierungschefin und verwies auf die "horrende Staatsverschuldung". Sie wünsche sich, "dass Deutschland den Willen verspürt, in Europa wieder an die Spitze zu kommen". Beginnen werde dies mit einer dauerhaften Sanierung der öffentlichen Haushalte. Auch müsse sich die Arbeitsmarktpolitik "auf die Arbeitsplätze des 21. Jahrhundert ausrichten" und der Arbeitsmarkt für einfache Tätigkeiten "endlich wieder funktionsfähig" werden.

Mit Blick auf den föderalen Aufbau der Bundesrepublik erinnerte Merkel an die "Idee des Lastenausgleichs", der einst "schwachen und armen Ländern" ermöglicht habe, "nach oben zu kommen". Dieser Gedanke komme auch beim Solidarpakt für den Aufbau Ost zum tragen. "Nur wenn wir diesem Gedanken des Lastenausgleichs treu bleiben, werden wir es schaffen, dass die Klüfte zwischen Ost und West überwunden werden", betonte die Kanzlerin. (tso/ddp)

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