Politik : Technokrat der leisen Töne

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Foto: pa/dpaAPA

Berlin - Erst in einer Stichwahl im vierten Wahlgang wurde der Japaner Yukiya Amano zum Nachfolger des Ägypters Mohammed al Baradei gewählt, der nach zwölf Jahren das Amt des Generaldirektors der Atomenergiebehörde (IAEA) in Wien abgibt. Während die Industrieländer den 62-jährigen Juristen, der als Technokrat ohne Charisma gilt, unterstützten, hatte der Südafrikaner Abdul Samad Minty den Rückhalt der Entwicklungsländer. Während die Industrieländer mehr an Nichtverbreitung von Atomwaffen interessiert sind, pochen die Entwicklungsländer auf die Entwicklung ziviler Atomenergie. Diese Spaltung der Mitgliedsländer der IAEA lastet als Hypothek auf dem neuen Behördenchef.

Amano, der seit 2005 Botschafter bei der Atomenergiebehörde ist, will das Amt weniger politisch gestalten als sein Vorgänger. Er werde sich auf das technische Mandat der Organisation beschränken, heißt es. „Standhaft gegen die Verbreitung von Kernwaffen auftreten“, das will der Japaner – weil „ich aus einem Land bin, das Hiroshima und Nagasaki erlebte“. Dies werde seine Amtszeit prägen. 15 Jahre lang beschäftigte sich Amano im japanischen Außenministerium mit Abrüstungsfragen und der friedlichen Nutzung von Kernenergie. 2007 konnte er als Leiter des Vorbereitenden Komitees für die Review-Konferenz 2010 zum Kernwaffensperrvertrag Konsens herstellen. 2005 und 2006 war der Japaner Vorsitzender des IAEA-Gouverneursrats. Er half bei der Schließung von Block III des Tschernobyl-Reaktors ebenso mit wie bei der Verschrottung von russischen Atom-U-Booten.

Zum Einarbeiten bleibt Amano nicht viel Zeit. Der Atomkonflikt mit Iran geht in eine entscheidende Phase. Amano wird nachgesagt, einen harten Kurs gegenüber Teheran zu vertreten. Er wird auf seine Weise die Unabhängigkeit seiner Behörde sicherstellen müssen. an

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