Politik : "terre des hommes": Immer mehr Kinder werden Täter oder Opfer

Immer mehr Kinder werden nach Angaben des Kinderhilfswerks "terre des hommes" weltweit Opfer von Gewalt oder greifen selbst zur Waffe, um ihre Überlebenschancen zu wahren. Kinder würden damit zunehmend Opfer und Täter zugleich, sagte die Vorsitzende des Kinderhilfswerks, Petra Boxler. Sie wies auf diese "Spirale der Gewalt" aus Anlass des bevorstehenden Weltkindertages am 20. September hin. Boxler bezeichnete die 90er Jahre als "Jahrzehnt des unerklärten Krieges gegen Kinder und Jugendliche". Rund zwei Millionen Kinder seien in den letzten zehn Jahren in bewaffneten Konflikten ums Leben gekommen, etwa sechs Millionen seien verletzt worden und eine Million Kinder seien von ihren Familien getrennt worden.

Nicht nur diese Zahlen, sondern auch der gewandelte Charakter moderner Konflikte spiegelt nach Auffassung der Organisation dramatische Entwicklungen wider. In vielen innerstaatlichen Konflikten, in denen auch rund 300 000 Kinder als Soldaten oder Guerilleros zwangsrekrutiert seien, verschwimme die Trennungslinie zu normaler Gewaltkriminalität.

Immer mehr Kinder würden gewaltsam oder durch das Vorbild von Altersgenossen und Erwachsenen dazu gebracht, sich an wahllosen Übergriffen gegen die Zivilbevölkerung und an wirtschaftlichen Ausplünderungen ganzer Landstriche zu beteiligen. Die Verfügbarkeit von weltweit etwa 125 Millionen automatischer Kleinwaffen wie Maschinengewehre oder Handgranaten heize diese Art der Konflikte immer weiter an.

Boxler bezeichnete es als besondere Aufgabe von Hilfsorganisationen wie "terre des hommes", dazu beizutragen, derartige Spiralen der Gewalt zu durchbrechen und "Frieden, Verständigung und Dialog als Grundwerte bei der Erziehung von Kindern" zu fördern, wie dies die Abschlussdeklaration des UN-Kindergipfels vor zehn Jahren in New York gefordert habe. Der Leiter des "terre des hommes"-Regionalbüros im afrikanischen Mosambik, Ulrich Tietze, wies auf die "fatalen Auswirkungen" des langjährigen Bürgerkrieges in Angola auf das gesamte südliche Afrika hin. Die Chance auf eine Schulausbildung und einen Beruf sei für ein angolanisches Kind internationalen Statistiken zufolge weltweit am geringsten.

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