Terror in der Türkei : Explosionen in Antalya: PKK-Unterorganisation im Verdacht

17 Verletzte gab es zwei zwei Explosionen in der Türkei, nun geht die Angst um. Die alten Verdächtigen sollen es auch diesmal gewesen sein, die Behörden beschuldigen die PKK.

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Zwei Explosionen an Badestränden im Süden der Türkei haben mitten in der Hochsaison die Angst vor einer Terrorwelle in den Urlaubsgebieten des Landes geweckt. Bei den Zwischenfällen am vergangenen Freitag und Samstag wurden insgesamt 17 Urlauber verletzt. Die Behörden sprachen in beiden Fällen von Feuerwerkskörpern, die im Sand vergraben und gezündet worden seien. Bisher ist unklar, wer hinter den Explosionen steckt. Der Verdacht fällt auf eine Unterorganisation der PKK-Kurdenrebellen, die kürzlich mit Anschlägen im Touristengebiet gedroht hatte.

Die Täter hatten es offenbar auf größtmögliche Panik unter den Strandgästen abgesehen: Die Explosionen ereigneten sich jeweils am Vormittag und um die Mittagszeit, wenn die Strände gut gefüllt sind. Der Großraum Antalya ist besonders bei deutschen Urlaubern beliebt; offenbar kamen bei den Explosionen vom Wochenende aber keine Bundesbürger zu Schaden.

Bei dem ersten Zwischenfall wollen Augenzeugen in der Umgebung des Tatortes einen Mann gesehen haben, der zwanzig Minuten alleine unter einem Sonnenschirm saß und dann plötzlich verschwand. Kurz darauf riss die Explosion einen anderthalb Meter tiefen Graben in den Sand; zwei Frauen wurden leicht verletzt. Fast 24 Stunden später explodierte der zweite Sprengsatz an einem Strand im Ferienort Kemer westlich von Antalya. Hier wurden 15 Urlauber, darunter sieben Russen, von umherfliegenden Kieselsteinen getroffen; einige erlitten Platzwunden.

Ahmet Altiparmak, der Gouverneur von Antalya, ließ die Explosionsorte absperren und mit Spürhunden absuchen, um sicher zu gehen, dass nicht noch weitere Sprengsätze im Sand versteckt waren. Die Behörden gehen davon aus, dass dieselben Täter hinter beiden Zwischenfällen stecken. Bekannt hat sich bisher niemand, doch am ehesten kommen die „Freiheitsfalken Kurdistans“ (TAK) in Frage, eine Untergruppe der PKK, die sich auf Anschläge außerhalb des Kurdengebietes spezialisiert hat.

„Unsere Rücksicht auf Zivilisten und Urlauber hat ein Ende“, hatte die TAK am 21. August erklärt und Gewaltaktionen in der ganzen Türkei angekündigt. Mit der Drohung reagierte die TAK auf die Luftangriffe der türkischen Armee auf Stellungen der PKK im Norden Iraks, die nach einem PKK-Anschlag Mitte des Monats begonnen hatten.

Offiziell hat sich die PKK von der TAK distanziert. Doch weil die TAK den inhaftierten PKK-Chef Abdullah Öcalan als ihren Anführer bezeichnet und immer dann zuschlägt, wenn der Kurdenkonflikt eskaliert, gehen türkische Sicherheitskreise davon aus, dass die die „Freiheitsfalken“ von der PKK gelenkt werden. Mit der organisatorischen Trennung von der TAK wolle die PKK vermeiden, im europäischen Ausland mit Anschlägen auf Zivilisten in Verbindung gebracht zu werden.

Es wäre nicht das erste Mal, dass die TAK versucht, die türkische Fremdenverkehrsindustrie, eine der wichtigsten Wirtschaftszweige des Landes mit Einnahmen von knapp 21 Milliarden Dollar im vergangenen Jahr, mit Gewaltaktionen zu treffen. Im Juli 2005 tötete die Gruppe zwei Ausländerinnen und drei Türken bei einem Anschlag im westtürkischen Urlaubsort Kusadasi. Die TAK bekannte sich darüber hinaus zu anderen Anschlägen in den Feriengebieten.

Auch in den türkischen Metropolen mordet die TAK. Im Juni vergangenen Jahres verübte die Gruppe einen Anschlag auf einen Personalbus der türkischen Armee in den Außenbezirken von Istanbul und tötete sechs Menschen. Im Oktober wurden bei einem Selbstmordanschlag der TAK auf dem Taksim-Platz in der Stadtmitte von Istanbul 15 Polizisten und 17 Passanten verletzt; der Attentäter starb.

Zum Schutz der Urlauber haben die türkischen Behörden die Sicherheitsvorkehrungen an den Stränden nach den Explosionen vom Wochenende erhöht. Zivilpolizisten überwachen laut Zeitungsberichten rund um die Uhr alle Strände, die als potenzielle Anschlagsorte in Frage kommen. Ob das weitere Gewaltaktionen verhindern kann, bleibt abzuwarten. Die türkischen Luftangriffe auf die PKK im Norden Iraks sollen jedenfalls bis auf weiteres fortgesetzt werden.

 

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