Terror in Deutschland : Vier Verdächtige in Haft

In Konstanz und im Libanon wurden am Freitag zwei weitere Männer verhaftet. Der Tatverdächtige Dschihad Hamad hat nach libanesischen Angaben ein Teilgeständnis abgelegt.

Karlsruhe/Beirut - Nach der Festnahme der beiden mutmaßlichen Bombenleger wurde ein weiterer Mann in Konstanz vorläufig festgenommen, wie die Bundesanwaltschaft mitteilte. Im Libanon wurde nach Angaben der dortigen Behörden ein weiterer möglicher Mittäter inhaftiert. Die Bundesanwaltschaft geht davon aus, dass die beiden mutmaßlichen Bombenleger Youssef Mohamad E.H. und Dschihad Hamad Unterstützer hatten und damit Mitglieder einer terroristischen Vereinigung waren.

Der in Konstanz Festgenommene soll laut Bundesanwaltschaft zum Umfeld des am vergangenen Samstag in Kiel verhafteten Tatverdächtigen Youssef Mohamad E.H. gehören. Sein Zimmer in einem Studentenwohnheim wurde am Freitag durchsucht. Es werde nun ermittelt, ob und inwieweit der Mann in die Vorbereitung für die gescheiterten Anschläge auf die beiden Regionalzüge eingebunden gewesen sei. Ob er dem Haftrichter am Bundesgerichtshof vorgeführt wird, werde sich erst am Samstag entscheiden.

Wie der libanesische Innenminister Ahmad Fatfat sagte, gab Hamad bei den Vernehmungen im Libanon zu, "eine Tasche in einem der Züge abgestellt zu haben, ohne zu wissen, was sich darin befindet". Die neue Festnahme im Libanon vom Freitag wurde nach Justizangaben durch die Aussage von Hamad möglich, der sich am Vortag den Behörden in Tripoli gestellt hatte.

Die deutschen Ermittler waren schon vor den Festnahmen davon ausgegangen, dass die beiden mutmaßlichen Haupttäter Youssef Mohamad E.H. und Dschihad Hamad Helfer hatten. Die Polizei sei sicher, dass die beiden weitere Unterstützer hätten, sagte BKA-Präsident Jörg Ziercke. Es sei aber zunächst unklar, ob es sich um ein internationales Netzwerk oder um eine autonome Gruppe handele. Ziercke zeigte sich aber überzeugt, dass mit der Festnahme der beiden Männer "der Gefahr die Spitze genommen" worden sei. Es müsse aber Wachsamkeit herrschen.

Muslime verurteilen Anschlagsversuch

Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) zeigte sich derweil überzeugt, bis zur Sonderkonferenz der Innenminister am 4. September eine grundlegende Einigung über die Form der geplanten Anti-Terror-Datei erreichen zu können. "Ich hoffe, dass wir uns bis dahin halbwegs einig sind", sagte Zypries im ZDF. Wichtig sei, dass das Gesetz verfassungskonform sei. Nach ihren Angaben wird die Datei von Geheimdiensten und Polizei ein "Mittelweg" aus Volltext- und Index-Datei.

Die islamischen Dachverbände in Deutschland verurteilten unterdessen mit "Entsetzen und tiefer Abscheu" die versuchten Kofferbomben-Anschläge. "Die mutmaßlichen Täter finden im Islam keine Rechtfertigung für solche Taten. Der Terror ist eine Bedrohung und ein Verbrechen gegen die gesamte Menschheit", heißt es in einer in Köln vorgelegten gemeinsamen Erklärung von 16 Organisationen. Der Generalsekretär des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek, sagte, die Moslems seien nicht das Problem, sondern "Teil der Lösung". Es sei "Muslim- und Bürgerpflicht, extremistische Tendenzen zu melden." (tso/AFP)

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