Terror in England : Polizei fasst Rucksackbomber

Scotland Yard hat einen der Londoner Rucksackbomber vom 21. Juli gefasst. Bei seiner Verhaftung leistete Omar Widerstand, bevor er mit einer Elektroschockpistole außer Gefecht gesetzt wurde. (27.07.2005, 22:22 Uhr)

London - Peter Clarke, Antiterror-Chef der Londoner Polizei, bestätigte am Mittwochabend, dass der 24- jährige Yasin Hassan Omar in Birmingham überwältigt worden sei. Er ist einer der vier verhinderten Selbstmordattentäter. Nach den übrigen drei Männern werde weiter gefahndet. «Solange die anderen drei noch nicht gefasst sind, bleiben sie eine Bedrohung», warnte Clarke.

Die Identität von zweien der vier Terroristen, deren Rucksackbomben nicht explodiert waren, sei weiter unklar. Die Polizei veröffentlichte ein neues Foto, das einen der mutmaßlichen Täter in einem weißen Unterhemd in einem Bus zeigt. Clarke rief die Bevölkerung weiter um Mithilfe bei der Jagd nach den Terroristen auf. Mehrere in den vergangenen Tagen unter Terrorverdacht Festgenommene wurden unterdessen wieder auf freien Fuß gesetzt.

«Es war der entscheidende Durchbruch, auf den die Polizei gewartet hatte», berichtete ein BBC-Reporter nach der Festnahme. Bei den Ermittlern herrsche großer Optimismus. «Durch die heutige Operation sind wir höchst ermutigt», sagte Premierminister Tony Blair. Er halte die Festnahme für eine «wichtige Entwicklung».

Nach Einschätzung der BBC ist nun die wichtigste Frage, ob Omar der Polizei Informationen zu den drei anderen Terroristen geben wird, mit denen er am Donnerstag vergangener Woche in London versucht hatte, Anschläge auf drei U-Bahnen und einen Bus zu verüben.

Omar kam nach Angaben des britischen Innenministeriums im Alter von zwölf Jahren als Sohn somalischer Asylsuchender nach Großbritannien und lebte seit sechs Jahren von staatlicher Hilfe in London. In seiner Nachbarschaft war er seit Jahren als Extremist bekannt, der die Terroranschläge vom 11. September 2001 öffentlich guthieß.

Die Polizei bestätigte, dass der Mann Widerstand geleistet habe. Daraufhin hatten die Polizisten mit einer Elektroschock-Pistole auf ihn geschossen und handlungsunfähig gemacht. In einer anderen Wohnung in Birmingham nahm die Polizei ebenfalls drei Terrorverdächtige fest. In London durchsuchte die Polizei in Verbindung mit den Anschlägen mehrere Wohnungen.

Die Polizei steht bei ihren Ermittlungen unter großem Zeitdruck. Nach Augenzeugenberichten waren die Selbstmordattentäter, deren Bomben am Donnerstag nicht gezündet hatten, am Freitag noch einmal in ihre Wohnung zurückgekehrt. Die Polizei befürchtet, dass sie sich dort wieder mit Sprengstoff eingedeckt haben und nun neue Anschläge planen. «Sie sind in der Lage, wieder zu töten», sagte Scotland- Yard-Chef Sir Ian Blair. «Wir müssen sie finden.» Auch andere Terrorzellen könnten wieder zuschlagen.

Der spanische Ministerpräsident José Luis Rodríguez Zapatero regte am Mittwoch in London «eine Allianz der Zivilisationen» im Kampf gegen die «Barbarei des Terrorismus» an. Diese Allianz solle westliche und islamische Länder wie die Türkei umfassen. Blair unterstützte den Vorschlag. Auch der türkische Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan, der ebenfalls bei Blair zu Besuch war, sprach sich für eine noch engere Zusammenarbeit bei der Terrorbekämpfung aus. (tso)

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