Politik : Terroristen von Bali wollen als Märtyrer in den Tod gehen

M. Kleine-Brockhoff[Jakarta]

Alle juristischen Mittel sind ausgeschöpft, die Todesurteile haben Bestand. Die Terroristen stellten kein Gnadengesuch beim Präsidenten, sie sind überzeugt, als Märtyrer zu sterben. Ihre Familien durften noch einmal zu Besuch ins Gefängnis.

In Indonesien sollen Ali Gufron alias Mukhlas, Imam Samudra und Amrozi Nurhasyim hingerichtet werden, drei Männer, die im Jahr 2002 auf der Urlaubsinsel Bali Bomben legten. Vor dem US-Konsulat entstand nur Sachschaden, im Vergnügungsviertel Kuta starben 38 Indonesier und 164 Touristen aus 21 Staaten. Unter den Todesopfern waren sechs Deutsche. Polizisten aus vielen Ländern halfen ihren indonesischen Kollegen bei den Ermittlungen, gemeinsam fassten sie 33 Täter und Helfer. Richter verhängten hohe Haftstrafen. Und drei Todesurteile.

„Ich bereue die Bomben nicht. Man muss kämpfen“, sagte Imam Samudra einem Fernsehreporter auf der Gefängnisinsel Nusakambangan. Dort nehmen die Terroristen Geld für Interviews. Wärter machen die Treffen gegen Bezahlung möglich. „Wenn ich könnte, würde ich wieder töten“, sagte Amrozi einem Journalisten. „Falls wir hingerichtet werden, wird es Rache geben“, drohte Mukhlas. Sechs Jahre Haft haben nichts an der Einstellung der Männer geändert. Sie nennen sich nach wie vor „Heilige Krieger“ und behaupten, den Islam zu verteidigen.

Nach vielen Verzögerungen wünschen sich viele Indonesier längst, dass die Terroristen endlich hingerichtet werden. Die 200 Millionen Moslems des Inselstaates sind fast alle moderat und sehen den Bali-Terror als Beschmutzung ihrer friedlichen Religion und als Schande für ihr Land an. Die Todesstrafe ist weitgehend akzeptiert. Mörder und Drogenkuriere werden regelmäßig ohne großes Aufsehen exekutiert.

Die Hinrichtungen der Bali-Attentäter schienen schon oft kurz bevorzustehen. Doch die Terroristen reichten – obwohl sie stets beteuerten, zum Sterben bereit zu sein – immer wieder Berufungen und Verfassungsbeschwerden ein. Zuletzt ging es um die Hinrichtungsmethode. Das Gesetz schreibt Erschießen vor. Mukhlas, Samudra und Amrozi sehen darin Folter, sie möchten „human“ sterben, durch Enthauptung oder Giftspritze. „Erschießen ist nicht Folter. Falls sie Schmerz spüren, ist das ein natürlicher Prozess“, entgegnete Justizminister Matalatta.

Indonesiens Behörden haben Exekutionstermine in der Vergangenheit immer nur Angehörigen mitgeteilt und öffentlich stets nur Vollzug gemeldet. Weil das so vorgeschrieben ist, sorgte Staatsanwalt Hendarman für Aufsehen, als er für diesen Freitag neue Informationen ankündigte. „Die Mitteilung könnte schlicht bestätigen, dass sie schon exekutiert worden sind“, befürchtet die Menschenrechtsorganisation Amnesty International, die die Todesstrafe ablehnt.

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