Terrorverdacht in Düsseldorf : IS plante offenbar Anschlag mit zehn Attentätern

Nach Aussagen des in Paris inhaftieren Syrers Saleh A. sollte die Schläferzelle in Düsseldorf mit bis zu zehn Kämpfern aktiv werden. Es gibt auch Zweifel an den Angaben des Verdächtigen.

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Polizisten mit einem Terrorverdächtigen in Karlsruhe am Donnerstag.
Polizisten mit einem Terrorverdächtigen in Karlsruhe am Donnerstag.Foto: AFP

Die am Donnerstag in Deutschland ausgehobene Schläferzelle der Terrormiliz IS sollte möglicherweise bis zu zehn Kämpfer umfassen. Das habe der in Paris einsitzende Syrer Saleh A. dort der Polizei gesagt, hieß es am Freitag in Sicherheitskreisen. In der Bundesrepublik hätten sich aber wahrscheinlich nur Saleh A. sowie die drei syrischen Dschihadisten aufgehalten, die jetzt in Brandenburg, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg festgenommen wurden.

Saleh A. hatte, wie berichtet, bei den französischen Behörden angegeben, die Zelle habe auf Anweisung der Führung des IS einen Anschlag in der Düsseldorfer Altstadt verüben sollen. Laut Saleh A. sollten sich in der Heinrich-Heine-Allee zwei Dschihadisten mit Sprengstoffwesten in die Luft jagen, weitere Kämpfer hätten mit Gewehren und Sprengsätzen so viele Passanten wie möglich töten sollen.

Saleh A., der als vermeintlicher Flüchtling nach Deutschland gekommen war, hatte sich am 1. Februar in Paris bei der Polizei gemeldet. Diese informierte rasch die Behörden in Deutschland. Hier wurde dann am 3. Februar ein Ermittlungsverfahren eingeleitet. Nach Angaben von Saleh A. waren er und der jetzt in Brandenburg festgenommene Hamza C. im Mai 2014 in die Türkei gereist und 2015 dann getrennt über die Balkanroute nach Deutschland.

Ein weiterer Terrorverdächtiger, der mutmaßliche Sprengstofffachmann Abd Arahman A. K., soll im Oktober 2014 die Tour nach Deutschland angetreten haben. Der vierte Mann, Mahood B., soll sich bereits unabhängig vom IS in der Bundesrepublik aufgehalten haben. Saleh A. berichtete der französischen Polizei, er und Hamza C. hätten Mahood B. im Januar überredet, sich an dem Anschlag in den Düsseldorf zu beteiligen.

Zeitangaben von Saleh H. irritieren die Behörden

In Sicherheitskreisen gibt es allerdings Zweifel, dass jedes Detail der Aussage von Saleh A. stimmt. Es sei merkwürdig, dass der IS bereits im Frühjahr 2014 – da nannte sich die Terrormiliz noch ISIS – einen Anschlag in Deutschland geplant haben soll. Die Truppe bereitete sich damals auf den Feldzug vor, der im Juni 2014 zur Eroberung großer Gebiete im Irak führte und zur Ausrufung eines Kalifats namens „Islamischer Staat“. Deutschland geriet nach Meinung von Sicherheitsexperten erst verstärkt ins Visier der Miliz, als die Bundeswehr im September 2014 mit dem Training und der Ausrüstung irakischer Kurdenkämpfer, der so genannten Peschmerga, begann.

Erstaunlich sei auch, dass die ISIS-Führung im Frühjahr 2014 die Düsseldorfer Altstadt als Anschlagsziel benannt haben soll, war in Sicherheitskreisen zu hören. Es sei kaum davon auszugehen, dass hochrangige Kader der Terrormiliz über detaillierte Kenntnisse deutscher Großstädte verfügten. Deshalb sei zu vermuten, dass ein Dschihadist aus der Bundesrepublik den Hinweis auf die Düsseldorfer Altstadt und die Heinrich-Heine-Allee als Verkehrsader gegeben habe.

Als Tippgeber käme der Berliner Denis Cuspert in Frage – der Ex-Rapper hatte sich spätestens 2013 in den syrischen Bürgerkrieg gegeben und im April 2014 dem Anführer der Terrormiliz, Abu Bakr al Baghdadi, den Treueeid geschworen.

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