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Terrorvorwurf : Mutmaßlicher Islamist am Münchener Flughafen festgenommen

Ein international gesuchter mutmaßlicher Islamist ist der Bundespolizei am Münchener Flughafen ins Netz gegangen. Er soll 2003 an Anschlägen in Casablanca beteiligt gewesen sein, bei denen 45 Menschen getötet wurden.

Der am Münchner Flughafen wegen Terrorvorwürfen festgenommene Franzose ist in Frankreich bereits zu einer Gefängnisstrafe verurteilt worden. Fouad C. wurde nach Angaben der französischen Polizei vom Dienstagabend im Juli 2007 wegen seiner Beteiligung an den Anschlägen von Casablanca 2003 zu acht Jahren Haft verurteilt. Unklar war zunächst, wann der Mann marokkanischer Abstammung wieder aus dem Gefängnis entlassen wurde.

Der von Marokko international zur Fahndung ausgeschriebene C. war am Montag am Münchener Flughafen festgenommen worden, als er mit seiner Familie aus Paris kommend nach Dubai reisen wollte. C. soll an einer Anschlagserie mit 45 Toten, darunter zwölf Selbstmordattentäter, und hunderten Verletzten im marokkanischen Casablanca im Mai 2003 beteiligt gewesen sein. Die an fünf Orten gezündeten Sprengsätze richteten sich gegen überwiegend von Juden und westlichen Ausländern besuchte Einrichtungen. Auch drei Franzosen wurden getötet. C. wurde von einem Pariser Gericht schuldig gesprochen, einer Unterstützerzelle angehört und Mitgliedern der Gruppierung Islamische Kämpfer Marokkos (GICM) Unterschlupf gewährt zu haben.

Die GICM wird für die Anschläge von Casablanca verantwortlich gemacht. Sieben weitere im Großraum Paris Festgenommene wurden in Frankreich zu Strafen zwischen einem Jahr auf Bewährung und zehn Jahren Gefängnis verurteilt.

Nach Angaben aus marokkanischen Sicherheitskreisen werfen die Ermittler des Landes C. vor, der GICM angehört zu haben. Er sei aber „kein großer Fisch“. Der heute 37-Jährige wurde nach Angaben der Bundespolizei am Dienstag einem Haftrichter vorgeführt. Die Generalstaatsanwaltschaft München leitete ein Auslieferungsverfahren ein.

Auf die Frage, warum der Mann nicht bereits am Pariser Flughafen festgenommen wurde, hieß es von Seiten der französischen Polizei, es gebe bei Flügen zwischen Paris und München keine Polizeikontrollen, weil Frankreich und Deutschland dem Schengenraum angehören. (AFP)

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