Politik : Tête-à-tête mit den Kriegsgegnern

Malte Lehming

Washington - Nanu? Wird plötzlich Aufmüpfigkeit belohnt statt Willfährigkeit? Adelt der US-Präsident vor allem jene, die ihm Steine in den Weg gelegt haben? Es fällt schon auf: George W. Bush nimmt sich auf seiner viertägigen Europareise besonders viel Zeit für das Trio der Irakkriegs-Gegner. Mit dem französischen Präsidenten Jacques Chirac diniert er am Montag in Brüssel. Mit Kanzler Schröder verbringt er den halben Mittwoch. Am Donnerstag steht das Treffen mit Russlands Präsident Wladimir Putin im Mittelpunkt der Slowakei-Visite.

Und die „Koalition der Willigen“? Deren Vertreter werden am Dienstag zum Frühstück – wie der britische Premier Tony Blair – abgespeist, oder erhalten in separaten Treffen einen warmen Händedruck, wie der ukrainische Präsident Viktor Juschtschenko und der italienische Regierungschef Silvio Berlusconi. Kein Zweifel: Bushs Trip ist ein Versöhnungs-, kein Belohnungsbesuch.

Das Drehbuch dafür wurde bereits im Herbst 2004 verfasst. Noch während des Präsidentschaftswahlkampfes wurde eine Strategiegruppe im Weißen Haus mit der Planung betreut. Parallel loteten auch die Europa-Experten um den demokratischen Präsidentschaftskandidaten John Kerry die Möglichkeiten eines transatlantischen Brückenschlages aus. Der Hauptunterschied: Ein US-Präsident Kerry hätte ab und zu ein Bad in der europäischen Menge nehmen können. Bush dagegen wird, abgesehen von seinem letzten Tag in Bratislava, vom Volk möglichst abgeschnitten.

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