Politik : THOMAS HOOF

Thomas Hoof dreht den Spieß einfach um. „Wie kommen Sie eigentlich dazu, mich in die Linke einzugliedern“, fragt der Herr mit dem edel

zerknitterten Gesicht, den tiefen, wachen Augen und dem Outfit, das solche Schlüsse in der Tat nicht nahelegt: helle Hose, helles Hemd, alles so gediegen wie die ganze Umgebung – der große Tisch und die Stühle, der Blick aus dem Fenster auf den holsteinischen See. Hier, auf Gut Manhagen, ist alles so, wie man sich das vorstellt bei einem Manufactum-Gründer und Ex-Grünen, der die Partei früh verließ. Als sie ihm zu links wurde.

„Das hier ist ein Ferienhaus, schließen Sie davon nicht auf meinen Lebensstil“, sagt Thomas Hoof, der nicht zu Hause getroffen werden wollte, der nicht fotografiert werden möchte und der Fragen nach seiner Kindheit im Ruhrgebiet lieber allgemein als streng persönlich beantwortet: im Gedenken an eine Welt, in der die Energie, die zur Energiegewinnung aufgewendet werden musste, noch an den erschöpften Gesichtern der Kohlekumpels ablesbar war. Und in der die Gegenstände des täglichen Lebens noch einen Komplexitätsgrad hatten, der für den Einzelnen versteh- und damit beherrschbar war.

Ein Treffen an neutralem Ort also? Das ist nur die halbe Wahrheit. Gut Manhagen gehört Hoof, der

Manufactum 2007 an die Otto-Gruppe verkaufte, seit 2009. Hier möchte er, aus einer „selbstverständlich privilegierten“ finanziellen Situation

heraus, ein Stück seiner Utopie verwirklichen: eine autarke, energiesparende Landwirtschaft. Die drei Ferienwohnungen in den historischen Gutsgebäuden – die kleinste und billigste können zwei Personen in der Hauptsaison für 850 Euro die Woche

mieten – sind da nur Beiwerk.

Was aber ist an Hoof, der von sich selbst sagt, er stehe bei tagespolitischen Debatten „völlig daneben“, links? Es ist vielleicht genau das: dass er völlig danebensteht. Mit einem Weltbild, das so pessimistisch ist, wie Hoof es mit Manufactum in ein immens erfolgreiches Geschäftsmodell gepresst hat. Es ist die Überzeugung, dass es etwas am Gestern gibt, das auch heute noch relevant ist. Und zwar für die Zukunft mehr als für das unmittelbare Jetzt.

Für diese Zukunft sieht Hoof schwarz: „Entgegen allen Hoffnungen, die durch die Gegend wabern, bin ich absolut sicher, dass der Niedergang der Ölförderung nicht substituierbar ist“, sagt Hoof, der wegwill vom Tropf einer Zivilisation, die schon längst nicht mehr ohne immense Zufuhr fossiler Energie bestehen könne. Und deren Verteilungslogiker, links wie rechts, marktwirtschaftlich wie sozialistisch orientiert, er spürbar verachtet. Und vielleicht ist ja genau dieses unbezähmbar kritische Bewusstsein doch irgendwie links? Thomas Hoof sähe diese Behauptung kritisch. Johannes Schneider

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