Politik : Thüringen muss draußen bleiben

SPD-Landeschef Matschie schafft den Sprung ins Präsidium nicht – Thierse weiterhin einziger Ostdeutscher in der Parteispitze

Markus Feldenkirchen

Bevor der versammelte SPD-Vorstand am Montag zur Wahl des Präsidiums der Sozialdemokratie schritt, machte der Parteivorsitzende noch einen kleinen Witz. „Gibt es irgendwelche zum Spaß erstellten Wahlzettel“, fragte Gerhard Schröder in die 43-köpfige Runde – in Anspielung auf die Zettel-Panne bei der Vorbereitung der Wahl des Generalsekretärs auf dem Bundesparteitag. Der Genosse Sigmar Gabriel, der seinen Namen damals auf einem Entwurf des Wahlzettels wiedergefunden hatte, fühlte sich gleich angesprochen: „Also ich habe keinen dabei.“ „Na, das ist ja schon gut“, entgegnete Schröder. Dann konnte die Wahl beginnen.

Sie endete mit einer klaren Enttäuschung für alle Sozialdemokraten, die den Osten der Republik gestärkt sehen wollten oder dem so genannten „Netzwerk“ junger Sozialdemokraten angehören. Denn gleich beide Kriterien treffen auf den Verlierer des Tages zu: Christoph Matschie aus Thüringen verfehlte mit dem schlechtesten Ergebnis als einziger Kandidat den Sprung in das höchste Parteigremium. Die zwei für Männer vorgesehenen Plätze sicherten sich Finanzminister Hans Eichel (32 Stimmen) und der NRW- Landesvorsitzende Harald Schartau (25 Stimmen). Matschie fand dagegen nur 17 Unterstützer. Symptomatisch war vielleicht die Art, mit der Matschie die eigene Schlappe zur Kenntnis nahm und kommentierte: ganz brav und angepasst. Kein Ärger darüber, dass die Absprachen unter den mächtigen SPD-Landesverbänden im Westen, allen voran Schartaus NRW, dazu geführt hatten, dass künftig mit Wolfgang Thierse nur noch ein Ost-Sozialdemokrat im Präsidium vertreten ist.

Im Gegenteil: Statt zu schimpfen, freute sich der Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Thüringen darüber, dass die Vorstandsklausur der SPD Anfang Januar in Weimar, Thüringen stattfindet. Und Generalsekretär Olaf Scholz betonte, dass es zwischen Eichel, Schartau und Matschie nicht um eine Entscheidung Ost gegen West gegangen sei, sondern um einen sportlichen Wettkampf unter „drei guten Männern“. Mit dickem Blumenstrauß und strahlend wie ein Honigkuchenpferd verließ dagegen die Parteilinke Andrea Nahles das Präsidium. Bei der Damenwahl schaffte sie mit 32 Stimmen ebenso wie die Bonner Oberbürgermeisterin Bärbel Dieckmann (38 Stimmen) erstmals den Sprung ins Gremium. Edelgard Bulmahn wurde wiedergewählt. Über einen Mangel an Nachwuchs in der SPD-Spitze wollte sich die 33-jährige Nahles nicht beklagen. „Die Verjüngung kommt bei uns peu a peu“, sagte Nahles. Immerhin seien jetzt mehr Junge dabei als vorher.

0 Kommentare

Neuester Kommentar