Ticker zur Bürgerschafts-Wahl zum Nachlesen : So lief der Wahlabend in Bremen

Bremen, das kleinste Bundesland, hat am Sonntag eine neue Bürgerschaft gewählt. Rot-Grün kann weiterregieren - wenn auch nur knapp. FDP und AfD ziehen ebenfalls ins Parlament ein. Lesen Sie hier noch einmal den Live-Ticker vom Wahlabend nach mit allen Zitaten, Zahlen und Fakten.

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Erster Platz, aber nicht zufrieden: Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD). Foto: Reuters
Erster Platz, aber nicht zufrieden: Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD).Foto: Reuters

Die FDP ist wieder in der Bremischen Bürgerschaft. Ob die AfD das schafft, steht noch nicht sicher fest. SPD und Grüne müssen dramatische Verluste hinnehmen. Alles zur Wahl in Bremen in unserem Liveticker.

05.00 Uhr: Die letzten amtlichen Hochrechnugen die Mehrheit für Bremens rot-grüne Regierung. Dies teilte der Landeswahlleiter am Montagmorgen mit. Die beiden Parteien bekommen demnach 44 der 83 Sitze in der Bürgerschaft. CDU, Linke, FDP und AfD ziehen der Hochrechnung zufolge ebenfalls ins Parlament ein. Auch die rechtspopulistische Gruppierung „Bürger in Wut“ (BIW) holte demnach wieder ein Mandat. Die Hochrechnung beruht auf der Basis von 100 Prozent der Stimmzettel in Bremerhaven und 89 Prozent in Bremen. Das vorläufige Endergebnis wird erst für Mittwoch erwartet.

Demnach erzielt die SPD 32,9 Prozent der Stimmen (-5,7 Prozentpunkte). Die Grünen als größte Verlierer bekommen 15,3 Prozent (-7,2). Gewinner sind die CDU mit 22,6 Prozent (+2,2), die Linke mit 9,2 Prozent (+ 3,6), die FDP mit 6,5 Prozent (+4,1). Die AfD erzielt nach der Hochrechnung 5,7 Prozent. Daraus ergibt sich eine Sitzverteilung von 30 Sitzen für die SPD, 14 für die Grünen, 20 für die CDU, 8 für die Linke, 6 für die FDP, 4 für die AfD und ein Sitz für die „Bürger in Wut“.

Lesen Sie hier alle Ereignisse des Wahlabends in unserem Ticker nach:

22.17 Uhr: Stromausfall verzögert Auszählung weiter. Ein Stromausfall hat die ohnehin komplizierte Auszählung weiter hinausgezögert. Eine Stunde lang dauerte der Stromausfall.

21.55 Uhr: Knappe Mehrheit für Rot-Grün. In der neuen Bürgerschaft verfügt die SPD nach der Hochrechnung über 29 Sitze, die Grünen über 13. Die CDU wird mit 20 Abgeordneten vertreten sein, die Linke mit neun, die FDP mit sechs, die AfD mit fünf. Das Wahlbündnis "Bürger in Wut" (BiW) kommt auf einen Sitz. Damit verfügen SPD und Grüne über eine Mehrheit von einer Stimme.

21:50 Uhr: Die erste Hochrechnung ist da. Danach hat die SPD die Bürgerschaftswahl in Bremen gewonnen, muss aber um die Fortsetzung ihrer Koalition mit den Grünen bangen. Die SPD rutscht laut erster ZDF-Hochrechnung von 21.45 Uhr auf 33,0 Prozent ab, die Grünen kommen nur auf 14,7 Prozent. Dagegen verbessert sich die CDU auf 22,4 Prozent, die Linken legen deutlich auf 9,9 Prozent zu. Während die FDP 6,5 Prozent erreicht, muss die AfD mit 5,2 Prozent noch um den Einzug in das Landesparlament bangen.

20:16 Uhr: Noch gibt es keine Hochrechnungen, aber viele Zitate der Spitzenpolitikert. Ein Überblick:

"Es gab schönere Wahlabende, das ist ein bitterer für die Bremer SPD." (Bremens SPD-Regierungschef Jens Böhrnsen)

"Das ist keine Option." (Böhrnsen zu einem Dreierbündnis mit der Linkspartei)

"Wir haben gewonnen. Wir haben unser Wahlziel erreicht." (Die Spitzenkandidatin der CDU, Elisabeth Motschmann

"Es ist kein Geheimnis, dass Bremen für die CDU ein schwieriges Pflaster ist." (CDU-Generalsekretär Peter Tauber)

"Bremen braucht die Grünen." (Grünen-Spitzenkandidatin Karoline Linnert)

"Wir haben ein Haushaltsnotlage-Land. Da sind die haushalterischen Herausforderungen groß." (Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter)

"Als Mehrheitsbeschaffer stehen wir nicht zur Verfügung." (Die Spitzenkandidatin der Bremer Linken, Kristina Vogt)

"Hamburg war kein Zufallsergebnis." (Der FDP-Vorsitzende Christian Lindner)

"Man muss auch nicht schlecht aussehen, wenn man in der Politik ist." (Der stellvertretende FDP-Bundesvorsitzende Wolfgang Kubicki über die Bremer Spitzenkandidatin Lencke Steiner)

19:42 Uhr: Jetzt ist Geduld gefragt. Wegen des komplizierten Wahlverfahrens ist mit letzten Ergebnissen derzeit noch nicht zu rechnen. Auf der Internetseite des Landeswahlleiters werden derzeit sechs von 458 Wahlbezirken als ausgezählt angezeigt.

19:21 Uhr: Bremens Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) setzt trotz voraussichtlich knapper Mehrheiten weiter auf Rot-Grün. Er habe vor der Wahl gesagt, "dass unsere erste Option Rot-Grün ist" und "ich sehe keine Veranlassung, nach der Wahl etwas anderes zu sagen", sagte Böhrnsen am Sonntagabend mit Blick auf die von ihm erneut angestrebte Regierungsbildung. Auch Grünen-Spitzenkandidatin Karoline Linnert zeigte sich zu einer Neuauflage von Rot-Grün bereit. Bei der Wahl hatten beide Partner deutliche Verluste hinnehmen müssen. Prognosen für ARD und ZDF zufolge könnte sich eine rot-grüne Regierung auf eine Mehrheit in der neuen Bürgerschaft von möglicherweise nur einem Mandat stützen. Rechnerisch möglich wäre auch eine Koalition von SPD und CDU.

18:59 Uhr: Bremens SPD-Regierungschef Jens Böhrnsen hat den Absturz seiner Partei auf das historisch schlechteste Ergebnis in der Hansestadt seit 1946 als "in dieser Höhe überraschend" und bitter bezeichnet. Dennoch ergebe sich aus dem klaren Vorsprung gegenüber der CDU ein neuer Regierungsauftrag für die seit fast 70 Jahren in der Hansestadt regierenden Sozialdemokraten, betonte der amtierende Bürgermeister in der ARD. Angesichts der sozialen Spaltung und des Streitthemas Bildung sei "dieses Wahlergebnis eine Herausforderung". Vor enttäuschten Anhängern bei der SPD-Wahlparty bekräftigte er, die Partei werde "weder den Kopf in den Sand stecken, noch werden wir uns in die Schmollecke bewegen".

18:44 Uhr: Die Grünen-Vorsitzende Simone Peter hat die schwierige soziale und finanzielle Lage in Bremen als Ursachen für die Verluste der Koalitionspartner SPD und Grüne genannt. "Wir haben ein Haushaltsnotlage-Land. Da sind die haushalterischen Herausforderungen groß", sagte Peter am Sonntagabend dem ZDF.

Eine kleine Gewinner: Elisabeth Motschmann, CDU-Spitzenkandidatin. Foto: dpa
Eine kleine Gewinner: Elisabeth Motschmann, CDU-Spitzenkandidatin.Foto: dpa

18:42 Uhr: Die Linkspartei hat ihre deutlichen Stimmenzuwächse als "grandiosen Wahlerfolg" gefeiert. "Wir können den Genossen nur gratulieren", sagte der Bundesvorsitzende Bernd Riexinger in Berlin. Es werde trotz der herben Verluste der rot-grünen Koalition in der Hansestadt kurzfristig "keine Verhandlungen über eventuelle Koalitionsmöglichkeiten" geben, sagte der Linke-Chef. "Alles Weitere wird sich die nächsten Tage zeigen." Für die in die Bürgerschaft zurückgekehrte FDP sagte der Bundesvorsitzende Christian Lindner, in Bremen habe den Liberalen "eine gewisse Aufbruchstimmung" durch die junge Spitzenkandidatin Lencke Steiner geholfen. Damit setze sich der zuletzt in Hamburg beobachtete Erfolgsweg einer wiederbelebten FDP fort. "Hamburg war kein Zufallsergebnis."

18:28 Uhr: FDP-Chef Christian Lindner gibt sich angesichts des Ergebnis seiner Partei vorsichtig optimistisch. Von einem "Comeback" der FDP mag er aber im ZDF noch nicht reden.

18:26 Uhr: Die SPD-Spitze setzt trotz der erheblichen Verluste auf eine Fortsetzung der rot-grünen Koalition in Bremen. "Wir sind froh darüber, dass wir hier die Regierung werden halten können und somit in 14 von 16 Bundesländern weiter regieren werden", sagte Generalsekretärin Yasmin Fahimi im ZDF. Eine große Koalition mit der CDU stehe vorerst nicht zur Debatte. Bürgermeister Jens Böhrnsen habe sich sehr klar für die Fortsetzung der Regierung mit den Grünen ausgesprochen. "Ich gehe davon aus, dass er dieses als erste Wahl weiterhin verfolgen wird", betonte Fahimi. "Es gibt keinen Anlass zur Trauer", sagte sie in der ARD.

Grund zur Freude: Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der Bremer FDP. Foto: dpa
Grund zur Freude: Lencke Steiner, Spitzenkandidatin der Bremer FDP.Foto: dpa

18:25 Uhr: Unionsfraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer ist mit dem Abschneiden der CDU sehr zufrieden. "Das ist für uns ein schönes Ergebnis", sagte er im ZDF. Während die Koalitionspartner SPD und Grüne nach Prognosen jeweils deutlich verloren haben und um ihre Mehrheit bangen müssen, legte die oppositionelle CDU in Bremen beim Wahlergebnis zu. "Rot-Grün hat eine derbe Schlappe erlitten heute in Bremen", sagte Grosse-Brömer. Über eine mögliche große Koalition von SPD und CDU in Bremen müsse das Bundesland selbst entscheiden.

18:22 Uhr: Reicht es am Ende doch nicht für Rot-Grün? Die Spitzenkandidatin der CDU, Elisabeth Motschmann, gibt sich optimistisch. Nach ihren Informationen will sie "Rot-Grün fast oder ganz geknackt" haben.

18:19 Uhr: Noch ein Verlierer - die Demokratie: Nicht einmal die Hälfte der Wahlberechtigten nutzen ihr Bürgerrecht. Nur 49,5 Prozent gingen an die Wahlurnen.

18:07 Uhr: Richtig Grund zum Jubeln hat eigentlich nur die FDP. Die Liberalen setzen ihren Genesungskurs fort. Rot-Grün hat massive Verluste zu verzeichnen. Zusammen haben sie 13,5 Prozentpunkte verloren. Die Christdemokraten stabilisieren sich auf niedrigem Niveau. Die Linken können ihren Stimmenanteil zwar nahezu verdoppeln, werden für die Bildung einer Regierung aber nicht benötigt. Und die AfD? Für die kann es noch ein langer Wahlabend werden.

18.05 Uhr: Rot-Grün hat die absolute Mehrheit der Sitze verteidigt. Die SPD hat in der neuen Bürgerschaft 30 Sitze, die Grünen 13. Die CDU wird mit 20 Abgeordneten vertreten sein, die Linken mit neun, die FDP mit sechs und die AfD mit vier. Die BiW wird vermutlich einen Vertreter entsenden können.

18.02 Uhr: Die SPD hat die Bürgerschaftswahl in Bremen gewonnen. Die Sozialdemokraten kommen nach der Prognose des ZDF von 18 Uhr auf 33 Prozent und können ihre Koalition mit den Grünen fortsetzen, die 14,5 Prozent erreichen. Wieder in der Bürgerschaft vertreten ist die FDP, sie schafft mit 6,5 Prozent klar den Sprung über die Fünf-Prozent-Hürde. Zittern muss die Alternative für Deutschland (AfD). Sie liegt in der 18-Uhr-Prognose bei 5,2 Prozent. Zulegen konnte die Linke. Sie verbesserte ihr Ergebnis von 2011 deutlich und kommt auf 10 Prozent. In die Bremische Bürgerschaft kann eine Partei auch dann einziehen, wenn sie nur in der
kleineren Stadt Bremerhaven über die Fünf-Prozent-Hürde kommt. Dies war dem Bündnis BiW (Bürger in Wut) vor vier Jahren gelungen. In der 18-Uhr-Prognose erreichen die Wutbürger drei Prozent. Die Sonstigen erreichen 5,8 Prozent.

17.28 Uhr: In Bremen dürfen auch Minderjährige wählen. Wer sein 16. Lebensjahr beendet hat, darf abstimmen. In diesem Jahr sind das etwa 10.000.

17:10 Uhr: Einige Wahlberechtigte sind dann doch noch aufgewacht. Bis 16 Uhr waren nach Auskunft des Landeswahlleiters 35,5 Prozent an der Wahlurne. Das sind aber immer noch drei Prozent weniger als vor vier Jahren. Bis 18 Uhr hatten es damals 57 Prozent der Wahlberechtigten geschafft.

17:00 Uhr: Hat Bremen überhaupt eine Zukunft? Bremen ist so klein, dass es immer mal wieder Diskussionen darüber gibt, ob die Stadt den Status als Bundesland behalten soll oder nicht. Unser Kollege Albert Funk hat sich nochmal mit dem Status von Bremen beschäftigt. Seinen Kommentar können Sie hier nochmal nachlesen.

16:50 Uhr: Bremen ist vor allem für die kleinen Parteien interessant: Seit Jahrzehnten regiert die SPD in Bremen und daran wird sich wohl auch nach dieser Wahl nichts ändern. Die Sozialdemokraten liegen nach den letzten Umfragen klar vor der CDU. Aber für die FDP und die AfD könnte es spannend werden. Die einen, die FDP, könnte neue Hoffnung schaffen mit einem Sprung ins Parlament. Die anderen, die AfD, könnte für interne Streitigkeiten abgestraft werden.

16:45 Uhr: Die Wahl ist am Sonntag äußerst schleppend angelaufen. Bis 14 Uhr hatten erst 23,5 Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Das waren deutlich weniger als zum gleichen Zeitpunkt vor vier Jahren (30,0 Prozent). Bei der Wahl 2011 war die Gesamtbeteiligung mit 55,5 Prozent auf einen historischen Tiefstwert für Bremen gefallen. Insgesamt waren rund 500 000 Menschen aufgerufen, über die Zusammensetzung des neuen Landtags im kleinsten deutschen Bundesland zu entscheiden. Alle Umfragen gehen davon aus, dass die seit acht Jahren regierende rot-grüne Koalition unter Bürgermeister Jens Böhrnsen (SPD) ihr Bündnis erneuern kann. Vor allem die Grünen müssen aber wohl Verluste hinnehmen. (mit dpa)

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