• Tony Blairs Sorgen: "Medienwirksame Aktionen" sollten den britischen Premier aus dem Stimmungstief holen

Politik : Tony Blairs Sorgen: "Medienwirksame Aktionen" sollten den britischen Premier aus dem Stimmungstief holen

Die Veröffentlichung eines streng vertraulichen Papiers des britischen Premierministers Tony Blair, in dem dieser den Image-Verlust seiner Regierung beklagt, hat für Aufregung in seinem Amtssitz gesorgt. Während interne Ermittler und die Polizei sich bemühten, die undichte Stelle in Regierungskreisen zu finden, berichteten fast alle britischen Medien am Montag ausführlich über das brisante Papier.

In dem Memorandum, offensichtlich von Blair eigenhändig verfasst, schreibt der Premierminister, die Bevölkerung glaube, die Labour-Regierung habe "den Kontakt zu den innersten britischen Gefühlen verloren". Er forderte seine Mitarbeiter auf, unverzüglich eine Reihe medienwirksamer Aktionen zu entwickeln, die dem Volk wieder das Gefühl geben könnten, dass die Regierung "auf Seiten des einfachen Mannes" sei. Bei der Verbrechensbekämpfung müsse man "harte Maßnahmen" betonen, beispielsweise Straßendiebe einsperren. Wichtig sei, dass er persönlich mit solchen Maßnahmen in Verbindung gebracht werde.

Der konservative Oppositionsführer William Hague sieht in dem Papier den letzten noch fehlenden Beweis für seine Behauptung, der Regierung gehe es nicht um die Substanz ihrer Politik, sondern lediglich um das äußere Erscheinungsbild und den Erfolg bei den nächsten Wahlen. Diese werden vermutlich in der ersten Jahreshälfte 2001 stattfinden. "Jetzt wissen wir, woher diese ganze Öffentlichkeitsarbeit und dieser Schnickschnack kommen. Das kommt ganz von oben, das kommt direkt vom Premierminister persönlich", sagte Hague.

Das Papier war Ende April auf einem mittlerweile noch unterbotenen Tiefpunkt der Popularität von Blair geschrieben und nur dem engsten Kreis seiner Vertrauten zugänglich. Dazu gehören sein Sprecher Alastair Campbell, sein Stabschef Jonathan Powell und Kabinettsministerin Mo Mowlam. Die Downing Street habe mit Lähmung und Schock auf die Indiskretion reagiert, berichtete der BBC-Rundfunk. Die Polizei untersuche, ob jemand von außerhalb in den Computer Blairs "gehackt" habe. Blair schrieb, die Regierung werde bei der Bekämpfung des Verbrechens, in der Asylpolitik, der Familienpolitik und der Verteidigungspolitik als "zu weich" angesehen. Es gehe darum, in der Öffentlichkeit deutlich zu machen, dass man "für Großbritannien einsteht". Deswegen müssten diese Politikbereiche wieder durch Labour besetzt werden.

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