Politik : Transatlantischer Spott

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+Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Weil der Mensch nicht wirklich – oder zumindest nicht immer – gut ist, gehören Spott und Häme mit zu seinen Lieblingsbetätigungen. Auch zwischen den Völkern wird gespottet und der Schadenfreude freier Lauf gelassen. Wenn die Amerikaner Bill Clinton wegen Monica Lewinsky ins Kreuzverhör nehmen, ruft Europa schon mal, hier handele es sich um einen „Amoklauf des Puritanismus“. Jetzt schlägt Amerika zurück. Die Bonusmeilen-Affäre verstehen unsere Freunde jenseits des Atlantiks einfach nicht. In den Zeitungen wird das noch recht höflich formuliert, aber was da so an nicht ganz jugendfreien E-mails herüberschwappt…

Nun wollen wir das elektronische Postgeheimnis nicht verletzen, und so verschweigen wir, von wem die folgenden Zitate stammen. Verraten sei nur, dass es sich um drei Amerikaner handelt, die länger in der Bundesrepublik gelebt haben und diesem Lande wohl gesonnen sind. „Scheiß Vielfliegermeilen? In den USA kriegen Politiker wenigstens Oralsex. Müssen wir Euch Weicheiern jetzt auch noch beibringen, wie man einen richtigen Skandal macht?“ So meldete sich ein entrüsteter Herr.

„Die deutsche Politik wird ein wenig sonderbar. Privat genutzte Bonus-Meilen? Oh wie fürchterlich! Deutschland braucht dringend RICHTIGE Korruption!“ Das fand ein zweiter Beobachter. Und ein dritter drahtete: „Verdammt, hat Deutschlands Politik seine Schmerzgrenze verloren? Rücktritte wegen Meilenschwindels? Jetzt wollen wir mal nicht nationalistisch werden, aber selbst dieses hypermoralistische Land kann da nur müde lächeln. Easy, folks!“ Ratlos bleiben wir zurück, beschämt. Und zählen weiter unsere Meilen. Robert von Rimscha

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