Trauer um Helmut Kohl : Mehr an Ehre geht nicht

Helmut Kohl braucht keinen deutschen Staatsakt, weil das Europäische das Nationale überwölbt. Ein Kommentar.

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Foto von Helmut Kohl mit Trauerflor und Kondolenzbuch sowie Europafahne im Bundeskanzleramt in Berlin.
Foto von Helmut Kohl mit Trauerflor und Kondolenzbuch sowie Europafahne im Bundeskanzleramt in Berlin.Foto: imago/IPON

Natürlich verdient Helmut Kohl einen europäischen Staatsakt. Wobei, Staatsakt... Noch ist Europa kein Staat. Bis zu den Vereinigten Staaten von Europa bleibt es ein weiter Weg. Dass das EU-Europa sich aber in den Trauerfeierlichkeiten als staatliche Einheit zeigt - das hätte dem Rekordkanzler und europäischen Ehrenbürger gefallen. Da braucht es auch keinen deutschen Staatsakt, weil das Europäische das Nationale überwölbt. Und Kohl wollte immer, dass die Deutschen gute Europäer seien. Wie die EU ihm das nun dankt, würdigt seine Lebensleistung – und seine Landsleute. Im Dom zu Speyer bestattet zu werden, ist ihm nicht vergönnt – er herrschte, aber ein Herrscher war er nicht. Sein Grab wird daher auf dem Domherrenfriedhof sein, nahe der Friedenskirche Sankt Bernhard. Für diese Kirche, Symbol eines neuen, die Grenzen überwindenden Europas, legten der große Franzose Robert Schuman und das große Kohl-Vorbild Konrad Adenauer im Jahr 1953 den Grundstein. Mit Erde von deutsch-französischen Schlachtfeldern. Der angrenzende Adenauerpark ist auch eine würdige Umgebung. Mehr an Ehre geht nicht.

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