Politik : Trauer um Lea Rabin: Ihre letzten öffentlichen Worte galten dem Friedensprozess

Charles A. Landsmann

Lea Rabin, die Witwe des ermordeten israelischen Ministerpräsidenten Jitzhak Rabin, ist tot. Fünf Jahre und acht Tage nach der Ermordung ihres Mannes starb Lea Rabin im nach ihm benannten Rabin-Krankenhauskomplex in Petah Tikva bei Tel Aviv. Sie hatte an den zahlreichen Gedenkfeiern für Jitzhak Rabin nicht mehr teilnehmen können, da sie vor zehn Tagen wegen eines Herzleidens erneut behandelt werden musste, unmittelbar nachdem sie das Krankenhaus verlassen hatte, in dem sie wegen ihrer Krebsleiden - Lungen- und Brustkrebs - behandelt wurde. Die 72-Jährige starb im Kreise ihrer Familie.

Lea Rabins letzte öffentliche Äußerungen galten dem Friedensprozess: Sie kritisierte heftig Ministerpräsident Ehud Barak - den sie lange Zeit als einzig legitimen Nachfolger ihres Mannes begriffen hatte - wegen seiner Politik gegenüber den Palästinensern und namentlich seiner Feststellung, Arafat sei kein Partner mehr für den Frieden.

Gleichzeitig forderte sie in einem offenen Brief Barak auf, endlich Schimon Peres einzusetzen, um einen Waffenstillstand zu erreichen. Tatsächlich reiste Peres anderntags zu Arafat und einigte sich mit diesem auf eine Einstellung des Feuers, die allerdings nicht eingehalten wurde, wohl aber eine Reduzierung der Unruhen mit sich brachte.

Lea Rabin war ebenso umstritten wie geachtet. Scharfzüngig, arrogant und extrovertiert war sie in dieser Hinsicht das pure Gegenteil ihres langsam sprechenden und scheuen Gatten, der mächtig stolz war auf seine schöne und hochintelligente Frau, die zu seinen Gunsten auf eine akademische Karriere verzichtet hatte. Sie war, wie der Titel ihrer Autobiografie exakt festhielt "Jederzeit seine Frau", er aber trat wegen eines Fehltrittes von ihr 1977 als Ministerpräsident zurück: Sie hatte ein Auslandsbankkonto aus der Zeit, als Jitzhak Rabin Botschafter in Washington gewesen war, weiter unterhalten, ohne die dazu notwendige Bewilligung zu beantragen - was damals ein kriminelles Devisenvergehen darstellte.

Lea Rabin war als Lea Schlossberg im damaligen deutschen Königsberg (heute Kaliningrad) 1928 auf die Welt gekommen. Einen Tag nach Hitlers Machtergreifung wanderte ihre Familie nach dem damaligen britischen Mandatsgebiet Palästina aus. Im Alter von 15 Jahren sah sie in einer Eisdiele den sechs Jahre älteren Jitzhak Rabin erstmals - es war Liebe auf den ersten Blick: "Er sah aus wie (der biblische) König David". Sie heirateten mitten im Unabhängigkeitskrieg 1948 und waren seither immer zusammen, im Wortsinn bis der Tod sie schied: Jitzhak Rabins letzte Worte, bevor er erschossen wurde, waren: "Wo ist Lea?".

Seit seiner Ermordung widmete sie sich dem Friedensprozess und dem Andenken an ihren Gatten. Das "Jitzhak Rabin Institut für Frieden" ist weitgehend ihr persönliches Werk. Sie verärgerte, nicht zuletzt wegen ihrer deutlichen Worte der Kritik, Teile von Israels politischer Rechte. Von der Friedensbewegung und dem Ausland wurde sie jedoch als Botschafterin der Aussöhnung geschätzt.

Dem Likud-Ministerpräsidenten Benjamin Netanyahu verzieh sie nie dessen Anteil an der Hetze gegen ihren Mann nach den Osloer Abkommen mit den Palästinensern, während sie Jassir Arafat dessen Geste, als er nach dem Tode ihres Mannes nachts heimlich zu einem Kondolenzbesuch zu ihr kam, immer zu Gute hielt.

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