Politik : Traumjob in schwierigen Zeiten

Fischers Staatssekretär Pleuger wird neuer Botschafter bei den UN

$AUTHOR

Von Ulrike Scheffer

Sein künftiger Job ist wohl der spannendste Auslandsposten, den Berlin derzeit zu vergeben hat. Gunter Pleuger, noch Staatssekretär im Auswärtigen Amt, soll neuer Botschafter bei den Vereinten Nationen (UN) werden. Der geborene Mecklenburger darf dort gleich in der ersten Reihe Platz nehmen, denn am 1. Januar kommenden Jahres zieht Deutschland zum insgesamt vierten Mal für zwei Jahre in den Sicherheitsrat ein – zum ersten Mal unter einer Bundesregierung, die sich als politischer Global Player versteht und im Nahost-Konflikt ebenso eigenständige Positionen vertritt wie in der Irak-Debatte.

Pleuger ist Diplomat genug, das wachsende Berliner Selbstbewusstsein behutsam vorzutragen. Auch wenn der 61-Jährige mit dem kahlen Charakterkopf und dem buschigen Schnauzbart problemlos als Nachfahre Otto von Bismarcks durchgehen könnte, ein nationaler Interessenpoker wie ihn der große Reichskanzler einst zelebrierte, ist Pleuger fremd. „Heute macht man keine Politik mehr wie zu Bismarcks Zeiten, als man sich mit anderen verbündete, um die eigenen Interessen durchzusetzen", sagte Pleuger, als er sich noch vorwiegend mit der Zukunft Europas beschäftigte. Ob sich diese Einschätzung mit der von Washington dominierten Debatte um eine neue UN-Resolution gegen den Irak geändert hat, ist nicht bekannt. Solange das Bundeskabinett seine Nominierung als UN-Botschafter nicht bestätigt hat, hält sich Pleuger mit öffentlichen Äußerungen zurück.

Seine offizielle Ernennung ist indes nur Formsache. Jedenfalls seit klar ist, dass Joschka Fischer Außenminister bleibt. Als der Grüne 1998 Außenminister wurde, brauchte er jemanden, der bereit war, ihn mit den eigenwilligen Gesetzen des diplomatischen Dienstes vertraut zu machen und ihn in wichtige Sachthemen einzuarbeiten. Jemanden, der nicht zu sehr mit der Politik seines Vorgängers identifiziert wurde. Mit Pleuger fand Fischer, wen er suchte. Und der ergriff seine Chance, zu einem der engsten Vertrauten des Neuen aufzusteigen. Fischer beförderte Pleuger zum Politischen Direktor und Staatssekretär und übertrug ihm vor zwei Jahren, wenige Monate vor dem EU-Gipfel in Nizza, auch die Federführung für die Europapolitik. Damit wurde Pleuger zum Superstaatssekretär; ihm unterstehen die Abteilungen für West- und Osteuropa, die EU, die USA und die GUS-Staaten, für Sicherheits- und Verteidigungspolitik und für Abrüstung. Die Vereinten Nationen fallen zwar in den Zuständigkeitsbereich des zweiten beamteten Staatssekretärs des Ministeriums, Jürgen Chrobog. Doch Pleuger betritt in New York keineswegs Neuland. Schon kurz nachdem der gelernte Jurist 1969 in den diplomatischen Dienst eintrat, kam er zur Ständigen Vertretung bei den Vereinten Nationen. Noch während seines Aufenthalts wurde die Bundesrepublik 1973 in die UN aufgenommen. Mehr als 20 Jahre und einige Stationen später übernahm Pleuger 1993 in Bonn die Unterabteilung Vereinte Nationen. Der Botschafterposten in New York war seit langem sein Traumjob – und er ist es unter den neuen Vorzeichen mehr denn je. Dass Pleuger während des ersten Golfkriegs Gesandter in Washington war, dürfte ihm bei seiner neuen Aufgabe helfen: Der amerikanische Feldzug gegen den Irak wird die Vereinten Nationen noch eine Weile beschäftigen.

» Mehr Politik? Jetzt Tagesspiegel lesen!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben