Politik : Traurige Berühmtheit

Alle Welt spricht über die dänischen Karikaturen – die Zeichner sind darüber ziemlich unglücklich

André Anwar

Stockholm - Mit so viel Berühmtheit hatten die zwölf Zeichner der Mohammed- Karikaturen nicht gerechnet. Unter der Voraussetzung, anonym zu bleiben, wagten es jetzt vier von ihnen, sich mit der skandinavischen Presse zu treffen – obwohl sie in Todesangst leben.

Einige der Zeichner arbeiten zusammen in einem Atelier in der Kopenhagener Innenstadt. Sie werden rund um die Uhr von der dänischen Polizei bewacht. Direkte Todesdrohungen gehören inzwischen fast zum Alltag. „Es war eine harte Zeit. Wir haben uns ja nie gewünscht, öffentlich so bekannte Personen zu werden. Wir wollen unseren Frieden haben“, sagt einer der Zeichner der Zeitung „Dagens Nyheter“. Einig sind sich alle darüber, dass sie nicht als „die Mohammed-Zeichner“ in die Geschichte eingehen möchten.

Nicht einmal finanziell lohnt sich die Todesangst: Lediglich etwas mehr als 100 Euro bekamen die Zeichner pro Karikatur. „Lächerlich wenig“, sagt einer von ihnen. Laut groben Schätzungen sollen inzwischen rund 60 Zeitungen in der ganzen Welt die Zeichnungen abgedruckt haben. Einige der Zeichner selbst stehen den internationalen Veröffentlichungen kritisch gegenüber.

Für „Jyllands-Posten“ sei es gut, dass nun auch andere Zeitungen die Karikaturen abgedruckt haben, für die Zeichner selbst sei es aber eher negativ. „Wir geraten dadurch nur noch mehr in den Focus“, sagt einer von ihnen. „Bisher haben neun von zehn Zeitungen darauf verzichtet, uns zu bezahlen“, fügt er hinzu. Der Journalistenverband habe aber versprochen, das Geld nachträglich einzutreiben. Die Veröffentlichung der Bilder geht auf eine Idee der Kulturredaktion von „Jyllands-Posten“ zurück. Der Redakteur Flemming Rose, meinte, es gebe vermehrte Anzeichen in der westlichen Welt dafür, dass die Selbstzensur bezüglich der Behandlung des Islams in den Medien immer umfassender werde. Mit ausschlaggebend für Roses Entscheidung war, dass der bekannte Schriftsteller Kåre Bluitgen in einer TV-Diskussionsrunde darüber klagte, dass er ernsthafte Schwierigkeiten hätte, einen Zeichner für sein Kinderbuch über den Propheten Mohammed zu finden. Niemand wage es, sich dieser Aufgabe zu stellen, aus Angst vor Vergeltungsaktionen, sagte der Schriftsteller.

Inzwischen haben die Karikaturisten gemischte Gefühle. Einer sagt, schon die die Einladung zum Zeichnen habe sich wie eine Situation angefühlt, in der man eigentlich nur verlieren konnte: „Wenn ich ,Nein‘ gesagt hätte, hätte ich als Feigling gegolten, der zur Selbstzensur beiträgt. Als Ja-Sager lief ich Gefahr, als unverantwortlicher Hetzer gegen den Islam abgestempelt zu werden.“

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