Trump hilft Clinton : Populist bei Wohltätigkeitsveranstaltung ausgebuht

Beim Spendendinner des New Yorker Erzbischofs hat Präsidentschaftskandidat Donald Trump auf einmal viel Gegner. Hillary Clinton dagegen bekommt zig Solidaritätsbekundungen.

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Donald Trump und Hillary Clinton bei dem Dinner in New York. Foto: AFP
Donald Trump und Hillary Clinton bei dem Dinner in New York.Foto: AFP

Es ist noch nicht allzu lange her, da konnte Donald Trump im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf nichts falsch machen. Seine Attacken auf politische Gegner und auf Minderheiten machten ihn bei seinen Anhängern zum Helden. Doch zweieinhalb Wochen vor der Wahl am 8. November hat Trump eine Pechsträhne erwischt: Selbst seine Schimpftiraden über Hillary Clinton nützen seiner Rivalin, die in den Umfragen weit vorne liegt. Jetzt hat er Clinton sogar dabei geholfen, endlich als Kämpferin für Frauenrechte anerkannt zu werden.

„So eine scheußliche Frau“, hatte Trump am Mittwochabend beim dritten und letzten Fernsehduell über die ehemalige Außenministerin gesagt. Das hätte er sicher nicht getan, wenn er gewusst hätte, was er damit auslösen würde: „Nasty Woman“ wird zur neuen Solidaritätsformel für Clinton.

Auf T-Shirts oder im Internet – Clinton wird als „Nasty Woman“ gefeiert. Kein anderes Produkt werde so stark nachgefragt wie ihr „Nasty Woman Vote“-T-Shirt, sagte die Designerin Naheed Snyder der Nachrichtenagentur Reuters. Auf Twitter bekennen sich Frauen unter dem Kennwort „Nasty Woman“ zu der Präsidentschaftskandidatin.

Ein Poplied mit dem Titel „Nasty“ von Janet Jackson aus dem Jahr 1986 erfährt plötzlich neue Beliebtheit: Der Song wurde nach Trumps Spruch am Mittwochabend 250 Prozent häufiger gehört als vorher, teilte der Streamingdienst Spotify mit. Laut Angaben der Online-Ausgabe des Sprachlexikons Merriam-Webster wurde „nasty“ nach der Debatte besonders häufig nachgeschaut.

"Nasty Woman"

Für Clinton, die sich lange vergeblich bemüht hat, die Abneigung der Amerikaner gegen sie zu überwinden, hätte Trump nichts Besseres sagen können. „Nasty Woman“ verleiht Clinton das Image einer Frau, die sich nichts sagen lässt, die selber austeilt, die mit allen Wassern gewaschen und zäh genug ist, um in der rauen Männerwelt der amerikanischen Spitzenpolitik zu bestehen: Man muss als Präsidentin „nasty“ sein können, wenn man etwas erreichen will.

Bei der Debatte hatte Trump die eigene republikanische Partei und Clintons Demokraten gleichermaßen gegen sich aufgebracht, indem er die Zusage verweigerte, das Wahlergebnis vom 8. November anzuerkennen. Noch während Amerika diesen Schock verdaute, holte Trump zum nächsten Schlag gegen Clinton aus – und langte wieder daneben.

Am Tag nach dem Fernsehduell trafen sich die beiden Kontrahenten bei einem traditionellen Galadiner des Erzbischofs von New York, bei dem die katholische Kirche Spenden für Kinder in Not sammelt. Das Diner ist in den vergangenen Jahrzehnten zu einer Bühne für humorvolle Reden von Politikern geworden – doch Trump nutzte die Gelegenheit für neue persönliche Attacken auf Clinton.

„Hillary findet es besonders wichtig, die Leute zu betrügen“, sagte Trump – und ernete Buhrufe. Mit ihrer Anwesenheit bei dem Galadiner gebe Clinton vor, „Katholiken nicht zu hassen“. Nie zuvor habe er eine solch negative Reaktion auf eine Rede bei dem Diner gehört, sagte ein Teilnehmer dem Nachrichtensender CNN. Der Sender Fox News meldete, einige Teilnehmer hätten den zwischen den beiden Kandidaten sitzenden Gastgeber, Kardinal und Erzbischof Timothy Dolan, aufgefordert, Trump das Mikrofon abzunehmen.

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