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Trump in Paris : Macrons Postkarten-Diplomatie

Beim Besuch in Paris bot Frankreichs Staatschef dem US-Präsidenten Trump eine eindrucksvolle Kulisse. Ähnlich hat er es schon mit Putin gemacht.

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Emmanuel Macron (r.), seine Frau Brigitte Macron (l.), Donald Trump (2. v. l.) und dessen Ehefrau Melania Trump (2. v. r.) im Restaurant "Jules Verne" im Eiffelturm.
Emmanuel Macron (r.), seine Frau Brigitte Macron (l.), Donald Trump (2. v. l.) und dessen Ehefrau Melania Trump (2. v. r.) im...Foto: Saul Loeb/AFP

Begrüßung am Invalidendom, Dinner im Eiffelturm, Militärparade auf den Champs-Elysées – was US-Präsident Donald Trump am Donnerstag und Freitag bei seinem Besuch in Paris erlebt hat, war gewissermaßen „France at its best“, also die Schokoladenseite Frankreichs. Präsident Emmanuel Macron hat für den Gast aus den USA ein glanzvolles Programm zusammengestellt, das ganz nach dem Geschmack Trumps gewesen sein dürfte. Macrons Charme-Offensive erfüllt aber noch einen anderen Zweck: Frankreichs Präsident ist dabei, sich sein eigenes internationales Beziehungsgeflecht aufzubauen.

Macron ist ein Meister im Herstellen persönlicher Bindungen

Dass Macron ein Meister im Herstellen persönlicher Bindungen ist, hat er schon vor seiner Wahl zum Präsidenten im Mai gezeigt. Als er noch Wirtschaftsminister war, luden er und seine Frau Brigitte regelmäßig zu Abendessen in ihre Wohnung in Paris ein. Im vergangenen November plauderte das Magazin „L’Express“ aus, dass die Macrons manchmal sogar zu zwei separaten Diners am selben Abend einluden, um einen möglichst großen Unterstützerkreis vor den anstehenden Präsidentschaftswahlen zu sichern. Die Mission war erfolgreich: Macron war seinerzeit bald mit „tout Paris“ vernetzt – oder zumindest mit denen, auf die es politisch ankam.

Dieses Muster wiederholt sich nun offenbar auf der internationalen Bühne. Kanzlerin Angela Merkel, Russlands Präsident Wladimir Putin und Trump – Macron becirct sie alle irgendwie. Dass Macron und Merkel im Sinne der angestrebten europäischen Renaissance den Schulterschluss suchen, ist dabei noch naheliegend. Trump und Putin vertreten hingegen zwei Staaten, deren Bindungen zur EU in letzter Zeit brüchig geworden beziehungsweise im Fall Russlands seit der Annexion der Krim im März 2014 von gegenseitigen Sanktionen geprägt sind.

Macron geht aber dennoch davon aus, dass es in der Weltpolitik ohne Russland und die USA nicht geht. Während sein Vorgänger François Hollande den russischen Präsidenten wegen der Luftangriffe auf das syrische Aleppo noch heftig kritisiert hatte, bereitete Macron dem Kremlchef Ende Mai einen eindrucksvollen Empfang im Schloss von Versailles, der Residenz des Sonnenkönigs Ludwig XIV. Dort eröffnete Putin eine Ausstellung über Peter den Großen.

Trump bekam schöne Bilder - statt lästiger Fragen

Auch für Trumps Paris-Visite hatte Macrons Stab schnell einen Anlass gefunden: Weil sich in diesem Jahr der Kriegseintritt der USA im Ersten Weltkrieg zum 100. Mal jährt, nahmen am Freitag zum Nationalfeiertag auch amerikanische Soldaten an der traditionellen Militärparade auf den Champs-Elysées teil. Also lud Macron den US-Präsidenten nach Frankreich ein. Und Trump, dem ein Faible für Uniformen nachgesagt wird, hat offenbar mit seiner Zusage nicht lange gezögert. Für den US-Präsidenten, der in der Russland-Affäre unter Druck steht, bot der Ausflug nach Paris schöne Bilder – statt lästiger Fragen in der Heimat.

Putin in Versailles, Trump als Ehrengast bei der Militärparade im Herzen von Paris – die Auftritte hochrangiger Staatschefs vor eindrucksvoller Kulisse, die Macron möglich macht, lassen sich auch als „Postkarten-Diplomatie“ bezeichnen. Dabei achtete Frankreichs Staatschef jeweils genau darauf, im Gespräch mit Putin und Trump den richtigen Ton zu treffen: In Versailles kam Macron seinerzeit auch auf die Meinungsunterschiede zum Konflikt in Syrien zu sprechen, bei der Begegnung mit dem Gast aus Washington sparte er auch die Differenzen beim Klimaschutz nicht aus.

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Trump und Macron bei Militärparade zu Nationalfeiertag in Paris
Trump und Macron bei Militärparade zu Nationalfeiertag in Paris

Aus seiner Erfahrung als erfolgreicher Netzwerker im politischen Paris weiß Macron natürlich auch, dass es oftmals kleine Gesten sind, die für die persönlichen Bande wichtig sein können. So nahm er sich am Freitag auf der Ehrentribüne an der Place de la Concorde zu Beginn der Militärparade verhältnismäßig viel Zeit für die Begrüßung von Trumps Ehefrau Melania.

Wenig diplomatisch hatte sich am Tag zuvor der US-Präsident beim ersten Kontakt mit Macrons Ehefrau Brigitte gezeigt. „Sie haben sich so gut gehalten“, bescheinigte Trump der 64-Jährigen – ein zweifelhaftes Kompliment, das dem 71-Jährigen erneut einen Sexismus-Vorwurf einbrachte.

Streit ums Geld mit dem militärischen Oberbefehlshaber

Bevor Macron die Trumps am Freitag verabschiedete, erklärte er: „Die Vereinigten Staaten von Amerika gehören dazu. Deshalb wird nichts uns jemals trennen.“ In den vergangenen Jahren hatten Journalisten die Möglichkeit gehabt, die Vorgänger Macrons beim traditionellen Fernsehinterview zum Nationalfeiertag noch etwas eingehender zu ihren Vorstellungen der internationalen Beziehungen zu befragen.

Allerdings hat Macron das traditionelle Interview abgesagt – und damit war von ihm am Freitag auch nicht zu erfahren, ob sich hinter dem Spektakel der Militärparade mit den Hubschraubern, den Kampfjets sowie den mehr als 3700 Soldaten und 200 Militärfahrzeugen nicht ein handfester Streit ums Geld mit dem militärischen Oberbefehlshaber der französischen Streitkräfte, General Pierre de Villiers, verbirgt.

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Trump: Zweifelhaftes Lob für Frankreichs Première Dame
Trump: Zweifelhaftes Lob für Frankreichs Première Dame

De Villiers hatte am Mittwoch mit seinem Rücktritt gedroht, weil Regierungschef Edouard Philippe in diesem Jahr im Verteidigungsetat 850 Millionen Euro einsparen will. Daraufhin rief Macron den Militärchef mit den Worten zur Ordnung, es sei „unwürdig, gewisse Debatten in der Öffentlichkeit auszubreiten“. Zudem wies Macron darauf hin, dass er als Oberbefehlshaber der Streitkräfte das letzte Wort habe.

Trauerzeremonie in Nizza

Nach der Parade in Paris begann am Nachmittag in Nizza eine Zeremonie, mit der an den ersten Jahrestag des Anschlags mit 86 Toten erinnert wurde. Am Nationalfeiertag 2016 war am späten Abend ein junger Tunesier mit einem 19 Tonnen schweren Lkw über die Strandpromenade gerast. Dort hatten sich Tausende versammelt, um sich das Feuerwerk zum 14. Juli anzuschauen. An der Zeremonie zum Jahrestag des Anschlags nahmen neben Macron auch die Ex-Präsidenten François Hollande und Nicolas Sarkozy teil.

Bei einer Militärzeremonie wurden zahlreiche Orden verliehen. Ausgezeichnet wurde auch ein Mann, der von seinem Roller aus versucht hatte, den Terroristen zu stoppen, der in die Menschmenge auf der "Promenade des Anglais" gerast war. Anschließend wurden die Namen der Opfer verlesen, die zu einem Mosaik in der Form eines Herzens zusammengefügt wurden. In seiner Rede erklärte Macron, dass die Einwohner von Nizza, die die „Bürde des Entsetzens“ getragen hätten, im Angesicht des Terrors auch Stärke gezeigt hätten. Frankreich werde „unermüdlich“ den „Kampf gegen den Terrorismus“ fortsetzen, erklärte er.

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