Trumps Sieg und wir : Die deutsche Politik sollte das Maul aufmachen

Deutschlands Politiker sollten aus Trumps Sieg ihre Lehren ziehen. Getreu dem Grundsatz: Sage, was du tust, und tue, was du sagst. Ein Kommentar.

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Donald Trump
Donald TrumpFoto: REUTERS

Wie lange noch? Wann wird die deutsche Politik aus dem, was sie umgibt, was um sie herum geschieht, lernen? Wie oft noch muss einer – oder demnächst in Frankreich vielleicht eine – gewählt werden, deren Wahl ein Umdenken geradezu erzwingt? Die Polen, die Ungarn, die Österreicher, alle machen sie diese Erfahrung: Das Vertrauen in die politische Klasse schwindet, wer gegen sie antritt, hat Chancen.

Nehmen wir mal Luther, von dem gerade alle reden. Der hat gelehrt, wie wichtig es ist, dem Volk aufs Maul zu schauen. Gewiss, niemand muss ihm nach dem Mund reden, das ist keine Politik, erst recht keine Strategie. Aber hinhören und aufnehmen, was gesagt und gerufen und geschimpft wird, vor allem von denen, die sich in vielerlei Hinsicht unterprivilegiert wähnen – das wird überlebensnotwendig für die Durchsetzung eines guten, gedeihlichen gesellschaftlichen Miteinanders.

Auch hierzulande zieht der Ton an

Ja, Vereinzelung und Polarisierung gehen schneller. Auch dafür gibt es etliche Beispiele, gegenwärtig noch schärfer im Ausland als im Inland. Aber auch hierzulande zieht der Ton an. Oft beherrschen messerscharfe, verletzende Kommentare die Diskussion zwischen den politischen Wettbewerbern. Die sich Konkurrenz machen in der Härte – nur nicht genug in der Härte gegen sich selbst. Dabei geht es um die länger schon erreichte Erkenntnis, dass Probleme nicht bloß gesehen, sondern schnell gelöst werden müssen. So schnell wie möglich. Das heißt, die Verantwortlichen müssen, wenn es länger dauert, erkennbar dranbleiben an einer Lösung.

Das gilt für das Grundthema Arm und Reich und Themen von links bis rechts, vom Freihandel bis zur Rentenanpassung. Und zwar getreu dem Grundsatz: Sage, was du tust, und tue, was du sagst – in einer jedermann verständlichen Sprache. Denn daran krankt es doch: Die Menschen, die Wähler, denken, dass es den Regierenden eigentlich egal ist, was sie denken. Dass ihre Stimme gewissermaßen ihre Bringschuld sei, sie also den Politikern, die sie regieren wollen, ihre Stimme anzubieten haben. Nein, umgekehrt muss es sein, muss es werden: Es ist eine Holschuld. Wer regieren will, muss auf die Wähler zugehen, sie wahrnehmen, ihre Agenda zur Kenntnis nehmen. Denn dafür sind die Volksvertreter im Wortsinn da.

Das Maul aufmachen

So ist dann auch das, was jetzt auf die deutsche Politik 2017 wartet, aus einem anderen Blickwinkel zu sehen: die Wahl des Bundespräsidenten und die der Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl. Jetzt sind nicht die Meister des Spiegelstrichs, des Politbürokratismus oder des Ungefähren gefragt; deren Zeit neigt sich dem Ende zu. Es kommen die, die – nach Luther – fest auftreten und das Maul aufmachen. Die sich zur Not mit ihren Ideen angreifbar machen, im Volk, fürs Volk. Im anderen Fall wird die Auswahl des AfD-Spitzenkandidaten zu einer bisher nicht erwarteten Prüfung – besonders für die anderen Parteien.

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Sorge in Deutschland nach Trump-Wahlsieg
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