Tsunami-Bilanz : Geheilt – nicht vorgebeugt

Fünf Jahre nach dem verheerenden Tsunami ziehen deutsche Hilfsorganisationen Bilanz: Die Situation vieler Kinder und armer Familien ist heute besser als vor der Katastrophe.

Mehmet Ata

Berlin - Fünf Jahre nach der Tsunami-Katastrophe haben deutsche Hilfsorganisationen eine positive Bilanz gezogen. Die Situation der Kinder und ärmsten Familien sei heute besser als vor dem Tsunami, erklärten Unicef, Caritas, Diakonie und das Deutsche Rote Kreuz (DRK) am Mittwoch in Berlin. Auch die Qualität von Schulen, Gesundheitseinrichtungen und Wasserversorgung sei heute deutlich höher als vor der Tragödie. Der Wiederaufbau sei praktisch abgeschlossen. Die Hilfsorganisationen haben die 330 Millionen Euro, die sie zur Verfügung hatten, vor allem für den Wiederaufbau und die Katastrophenvorsorge eingesetzt. Insgesamt wurden 670 Millionen Euro aus Deutschland gespendet. Die „Katastrophe nach der Katastrophe“ sei verhindert worden, stellten die Organisationen fest. „Kein Kind starb damals an Seuchen oder Unterernährung“, sagte Regine Stachelhaus, Generalsekretärin von Unicef Deutschland. Infolge des Tsunamis starben am 26. Dezember 2004 schätzungsweise 228 000 Menschen, 1,5 Millionen wurden obdachlos. „So viele Tote in Friedenszeiten hat es nie gegeben“, betonte die Direktorin der Diakonie Katastrophenhilfe, Cornelia Füllkrug-Weitzel.

Die Organisationen glauben wichtige Rückschlüsse aus einer der größten Hilfsaktionen in der Nachkriegsgeschichte ziehen zu können. „Besonders schnell und effektiv konnte helfen, wer bereits vor der Katastrophe vor Ort aktiv war und Partnerorganisationen hatte“, bilanzierte Oliver Mülle, Leiter von Caritas International. Die Erfolge bei der Soforthilfe seien besonders den einheimischen Helfern zu verdanken. Deshalb wollen die Hilfswerke weiter am Aufbau von lokalen Hilfsstrukturen arbeiten. Auch sei die Koordinierung auf internationaler Ebene entscheidend für den Erfolg der Nothilfe gewesen.

Die Hilfsorganisationen warnten vor weiteren Wetterkatastrophen. „Der nächste Tsunami wird kommen, wahrscheinlich in noch verheerender Form“, sagte Rudolf Seiters, Präsident des Deutschen Roten Kreuzes. Die Zahlen der wetterbedingten Tragödien sei innerhalb von zehn Jahren von 200 auf 350 gestiegen, 250 Millionen Menschen seien jährlich betroffen. „Die Klimaveränderung treffen besonders unterentwickelte Länder“, sagte er. In Richtung Klimakonferenz forderte Seiters, „endlich“ Vereinbarungen über Emmissionsbegrenzungen zu treffen, um die Zahl der Wetterkatastrophen zu begrenzen. Der DRK-Präsident appellierte an die Bundesregierung, die Katastrophenvorsorge als einen wichtigen Bestandteil der Entwicklungszusammenarbeit anzusehen. Dies lohne sich auch finanziell. „Ein Euro in die Katastrophenvorsorge zu investieren, erspart vier Euro nach der Katastrophe.“

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