Politik : Tsunami-Frühwarnsystem für Indonesien

Elf Wochen nach der verheerenden Flut in Asien hat Bundesforschungsministerin Edelgard Bulmahn (SPD) das deutsche Tsunami-Frühwarnsystem offiziell an Indonesien übergeben. Die ersten Bojen sollen voraussichtlich Ende Oktober vor der Küste ausgesetzt werden.

Jakarta (14.03.2005, 13:40 Uhr) - Eine entsprechende Vereinbarung unterzeichneten Bulmahn und ihr Amtskollege Kusamayanto Kadiman am Montag in der indonesischen Hauptstadt Jakarta. Das vom Geoforschungszentrum Potsdam entwickelte System biete den derzeit höchsten technologischen Standard und die schnellstmögliche Warnung vor Flutwellen, sagte die Ministerin.

Neu entwickelte Bojen und Sensoren am Meeresboden erfassen dabei Wellenbewegungen und übertragen die Daten an Rechenzentren. Von dort können die Warnungen beispielsweise per Internet weitergegeben werden. Die Gesamtkosten des Systems wurden auf rund 45 Millionen Euro beziffert. Das deutsche Forschungsschiff «Sonne» werde die ersten Bojen voraussichtlich Ende Oktober vor der Küste Indonesiens aussetzen, hieß es. Mittelfristig sollen Satelliten die Überwachung übernehmen. Neben der Technik biete Deutschland Indonesien auch an, Fachleute und Beamte im Umgang mit den Daten zu schulen.

Nach den Worten Bulmahns haben sich neben Indonesien auch Sri Lanka und andere Länder rund um den Indischen Ozean an einer Zusammenarbeit mit Deutschland interessiert gezeigt. Das System könne auch andere Länder in der gefährdeten Region vor Flutwelle warnen. «Unser System ist ein wichtiger Baustein in der Entwicklung eines weltweiten Frühwarnsystems», sagte die Ministerin.

Vor der indonesischen Küste verläuft der so genannte Sunda-Bogen, an dem sich die Erdplatte des Indischen Ozeans unter die Australische Platte schiebt. Dadurch gilt die Region als kritischste geologische Zone des Ozeangebietes. Indonesien wird deshalb jedes Jahr von hunderten von Erdbeben erschüttert.

Erst am Montag suchte ein weiteres, heftiges Nachbeben die von der Flut besonders schwer getroffene Region im Norden der Insel Sumatra heim. Durch den Erdstoß der Stärke 5,7 auf der Richterskala habe es nach ersten Berichten allerdings keine Opfer oder Schäden gegeben, teilten die indonesischen Behörden mit. Durch die Flutwelle vom 26. Dezember waren in der Region mehr als 220.000 Menschen getötet worden oder wurden zunächst noch vermisst.

Nach der Flutkatastrophe in Asien sind bislang 227 deutsche Todesopfer identifiziert worden. Das teilte Außenamtssprecher Walter Lindner am Montag in Berlin mit. Die Zahl der Vermissten habe sich auf 428 reduziert. Der Tsunami hatte am 26. Dezember 2004 weite Abschnitte der Küsten Asiens verwüstet und insgesamt rund 300.000 Menschen in den Tod gerissen. (tso) ()

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