Politik : Tsvangirai in Simbabwe festgenommen

Wolfgang Drechsler

Kapstadt - Simbabwes Langzeit-Diktator Robert Mugabe und sein seit fast 30 Jahre herrschendes Zanu-Regime versuchen offenbar alles, um die Opposition des Landes bei der Stichwahl um das Präsidentenamt am 27. Juni um den sicheren Sieg zu bringen: Nachdem die Machthaber am Wochenende den Regimegegner Arthur Mutambara kurzzeitig verhaftet und erst gegen Kaution wieder auf freien Fuß gesetzt hatten, wurde am Mittwoch auch Oppositionsführer Morgan Tsvangirai von der Polizei verhaftet. Offenbar war der Sieger des ersten Durchgangs der simbabwischen Präsidentschaftswahl am Morgen an einer Straßensperre nördlich von Bulawayo angehalten und inhaftiert worden. Wie im Fall von Mutambara ist damit zu rechnen, dass auch Tsvangirai – der am späten Abend wieder freikam – wegen angeblicher Verunglimpfung des Mugabe-Regimes der Prozess gemacht wird. Mutambara war vorgeworfen worden, in einem Artikel das Regime Mugabes als illegitim und illegal bezeichnet zu haben, weil der Präsident nach seiner klaren Wahlniederlage Ende März nicht zurückgetreten war.

Nach Angaben von Nelson Chamisa, dem offiziellen Sprecher der oppositionellen Bewegung für einen Demokratischen Wandel (MDC), deutet alles darauf hin, dass mit dem Gerichtsverfahren der Wahlkampf der Opposition massiv gestört werden soll. Durch die nun vermutlich fälligen Gerichtstermine dürften beide Oppositionspolitiker weit weniger Zeit für ihre Wahlkampagne verwenden können. Tsvangirai selbst war entgegen seinen Befürchtungen nach seiner Rückkehr aus Südafrika vor fast zwei Wochen nicht verhaftet worden. Er hatte sich dort für eine Zeitlang aufgehalten, weil Mugabe im Anschluss an die Wahlen eine Terrorkampagne gegen die Opposition begonnen hatte, die bis heute anhält. Vor seiner Rückkehr hatte Tsvangirai zudem die Befürchtung geäußert, Ziel eines Anschlags der Sicherheitskräfte zu werden. Die Bundesregierung äußerte sich „sehr besorgt“ über die Berichte zur Festnahme. „Das ist für uns in keiner Weise akzeptabel“, sagte ein Sprecher des Auswärtigen Amtes. Wolfgang Drechsler

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