Politik : Türkei debattiert über Verhandlungen mit der PKK

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Istanbul - Sedat Aloglu ist nicht das, was man landläufig einen Radikalen nennen würde. Der 60-jährige Geschäftsmann aus Istanbul studierte in den USA und saß vor Jahren als Abgeordneter einer bürgerlich-konservativen Partei im Parlament von Ankara. Doch nun trat Aloglu mit Vorschlägen zur Kurdenfrage an die Öffentlichkeit, die viele schockierten. Die Türkei dürfe nicht länger die Augen vor den drei wichtigsten Forderungen der kurdischen Seite verschließen, fordert Aloglu: verfassungsmäßige Anerkennung der Kurden als Staatsvolk, lokale Selbstverwaltung und Freiheit für PKK-Chef Abdullah Öcalan.

Er sage ja nicht, dass die Türkei gleich auf alles eingehen müsse, verteidigte sich Aloglu, nachdem seine bei der Sitzung eines Industriellenverbandes vorgetragenen Thesen publik wurden. „Aber wenn wir nicht die richtige Diagnose stellen, können wir das Problem nicht behandeln.“ Also müsse sich Ankara zumindest anhören, was die Kurden wollten. Und dazu gehöre auch die Frage nach Öcalans Schicksal. Bisher lehnt Ankara es ab, den inhaftierten Chef der PKK-Kurdenrebellen in die Suche nach einer Lösung der Kurdenfrage einzubeziehen. Aloglu ist nicht der Einzige, der angesichts der jüngsten Gewaltwelle der PKK Tabus in der türkischen Kurdenpolitik infrage stellt. Auch Kommentatoren großer bürgerlicher Zeitungen bringen Verhandlungen ins Spiel – so wie sich die britische Regierung im Nordirlandkonflikt mit der IRA befasste und dabei „mit dem Teufel redete“, wie der Kolumnist Semih Idiz in der Zeitung „Milliyet“ schrieb.

Seit dem PKK-Angriff auf einen Militärposten in der Nähe der türkisch-irakischen Grenze am 19. Juni sind nach offiziellen Angaben fast 40 Menschen bei Anschlägen und Gefechten ums Leben gekommen, darunter 17 PKK-Kämpfer. Am Sonntagabend griffen PKK-Leute erneut einen Posten im äußersten Südosten Anatoliens mit Raketenwerfern und Feuerwaffen an. Thomas Seibert

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