Türkei : Menschenrechtler kritisieren Angriffe auf Schwule

Die Lage von Schwulen, Lesben und Transsexuellen in der Türkei hat sich nach Ansicht von Human Rights Watch in den letzten Jahren zwar verbessert, Schikanen und Diskriminierung seien aber noch immer an der Tagesordnung.

Albrecht Meier

Berlin - Vor allem Transsexuelle und homosexuelle Männer werden in der Türkei immer noch Opfer von Gewalt. Das geht aus einem Bericht der Menschenrechtsorganisation „Human Rights Watch“ (HRW) hervor. Einige Transsexuelle berichteten der Studie zufolge, sie seien von der Polizei gefoltert worden. Die Organisation forderte die türkische Regierung auf, die Verfassung und die Gesetzgebung so zu ändern, dass die Menschenrechte von Homo-, Bi- und Transsexuellen geschützt seien.

Die Regierung in Ankara behaupte fälschlicherweise, dass Homosexuelle und Transsexuelle durch Artikel 10 der türkischen Verfassung vor Diskriminierung geschützt seien, kritisierte die HRW-Mitarbeiterin Juliana Cano Nieto am Montag in Berlin. Als Beispiel für die anhaltende Diskriminierung nannte sie den Fall der Homosexuellen- und Transsexuellenhilfsorganisation „Lambda“ in Istanbul, der die Schließung droht. Im April durchsuchte die Polizei bei einer Razzia die Räume der Organisation mit der Begründung, „Lambda“ fördere die Prostitution. An diesem Donnerstag müssten sich Mitarbeiter der Homosexuellen-Organisation vor dem Zivilgericht von Beyoglu verantworten, sagte Cano Nieto.

Zwar bescheinigt der Bericht von „Human Rights Watch“ der Türkei, dass sich das gesellschaftliche Klima insgesamt während des vergangenen Jahrzehnts zugunsten der Schwulen und Lesben verbessert habe. Dennoch seien insbesondere homosexuelle Männer und Transsexuelle weiterhin mit Schlägen, Raubüberfällen, Schikanierung durch Polizisten und Morddrohungen konfrontiert. Die Menschenrechtler kritisierten außerdem, dass das türkische Militär homosexuellen Männer weiter den Armeedienst verbiete; gleichzeitig würden aber auch Wehrdienstverweigerungen nicht anerkannt. Einige Betroffene seien daher zu entwürdigenden Untersuchungen gezwungen, um ihre Homosexualität zu „beweisen“. 

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