TV-Debatte der Republikaner : Zwei unerwartete Verlierer: Marco Rubio und Donald Trump

Ein neues Bild in der TV-Debatte der Republikaner vor den US-Präsidentschaftswahlen: Die Gewinner waren drei moderate Gouverneure, die sich zuvor schwer getan hatten.

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Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten Marco Rubio (von links), Donald Trump und Ted Cruz debattierten beim TV-Sender ABC in New Hampshire.
Die republikanischen Präsidentschaftskandidaten Marco Rubio (von links), Donald Trump und Ted Cruz debattierten beim TV-Sender ABC...Foto: AFP

In der TV-Debatte der Republikaner in der Nacht zu Sonntag war ganz vieles ganz anders als bisher. Die Gewinner waren drei moderate Gouverneure, die sich zuvor schwer getan hatten, Aufmerksamkeit zu erregen: John Kasich, Chris Christie und Jeb Bush. Die Verlierer waren Marco Rubio und Donald Trump.

Kasich, Gouverneur von Ohio, weigerte sich, in den defätistischen Chor einzustimmen, dass die USA nach sieben Jahren unter Barack Obama nahe am Ruin ständen. Darin tun sich vor allem Trump, aber auch Ted Cruz und Marco Rubio hervor. Ein ums andere Mal erklärte Kasich an Hand praktischer Beispiele aus seinem Staat Ohio, dass man mit pragmatischer Politik den Graben zwischen den Parteien überwinden, das Budgetdefizit reduzieren und die Wirtschaft wachsen lassen könne. Der Beifall des Publikums im St. Anselm College in New Hampshire zeigte, dass seine positive Botschaft Sympathien weckte.

Chris Christie, Gouverneur von New Jersey, punktete mit unerwartet scharfen, aber überzeugend vorgetragenen Attacken auf Marco Rubio und Donald Trump. Wenn die sich umgekehrt mit einem Gegenangriff zu entlasten suchten, war Christie bestens vorbereitet und parierte. Zudem taten Rubio und Trump ihm den Gefallen, ins offene Messer zu laufen und genau die Verhaltensweise an den Tag zu legen, die Christie gerade kritisiert hatte.

Chris Christie mit scharfen Attacken

Den Ton setzte Christie gleich, als er das erste Mal das Wort erhielt. Marco Rubio habe gar nicht die nötige Erfahrung, um Präsident zu werden, behauptete er keck. Er sei erst kürzlich in den Senat gewählt worden und könne keinen politischen Erfolg vorweisen – so wie Obama 2008. Wer es für einen Fehler halte, den unerfahrenen Senator Obama zum Präsidenten zu machen, dürfe jetzt nicht Rubio wählen. Die beste Wahl sei ein Gouverneur mit praktischer Regierungserfahrung. Rubios Wahlkampf bestehe im Übrigen darin, auswendig gelernte Sätze zu wiederholen.

Und tatsächlich tat Rubio in dem sich entwickelnden Schlagabtausch genau das: Drei Mal hintereinander fiel ihm nichts Besseres ein, als die Formel zu wiederholen, es sei falsch zu behaupten, dass Obama nicht wisse, was er tue; der wolle Amerika grundlegend verändern, er strebe ein anderes Land an. Christie rief jedes Mal dazwischen: Seht ihr, wie ich gesagt habe … Ein Teil des Publikums lachte, ein anderer buhte Rubio aus.

Ähnliches Muster im Wortwechsel Christie-Trump. Christie hatte gesagt, bei all den bombastischen Versprechen, wie Trump „Amerika wieder zur Größe führen wolle“, solle jeder Zuhörer die Frage stellen: „Wie?“ Sagt Trump, wie er das versprochene Ziel erreichen will? Danach genügte Körpersprache, um nach jeder Behauptung Trumps – dass er die illegale Migration beende, dass er Millionen Illegale deportieren werde, dass er China unter Druck setze, Nordkoreas Raketen- und Atomtests zu beenden – ein unausgesprochenes „Wie?“ in den Raum zu stellen.

Jeb Bush, Ex-Gouverneur von Florida, gab in diesem Trio der Regierungserfahrenen, die das gemeinsame Ziel haben, zu verhindern, dass Rubio nach seinem starken dritten Platz in Iowa nun in New Hampshire einen uneinholbaren Vorsprung gewinnt, den besonnenen Staatsmann, der ideologische Antworten ablehnt und sich wie Kasich für pragmatische Lösungen stark macht.

In dieser Debatte strahlte er zudem Entschlossenheit aus und legte sich sogar erfolgreich mit Donald Trump an: als es um die Frage ging, wann der Staat privaten Grund für gemeinnützige Zwecke enteignen darf. Trump habe diese Gesetzesregelung zu nutzen versucht, um einen Parkplatz für eines seiner Casinos zu bauen, sagte Bush. Trump wollte ihn nicht ausreden lassen, fiel ihm ins Wort – und als Bush das dann auch bei Trumps Antwort tat, verlangte Trump barsch: „Lass mich reden!“ Bush gab aber nicht nach. Zum zweiten Mal an dem Abend buhte das Publikum Trump aus. Es war eine kleine Genugtuung für Bush, dem Trump in einer der ersten TV-Debatten abschätzig vorgehalten hatte, er habe „low energy“.

Ted Cruz und Ben Carson taten sich in dieser Debatte weniger hervor

Die übrigen beiden Bewerber, Ted Cruz, Sieger in Iowa, und der schwarze Neurochirurg Ben Carson traten in dieser Debatte weniger hervor. Als die Moderatoren Cruz darauf ansprachen, dass er über Trump gesagt hatte, dass er „vom Temperament her ungeeignet sei, Präsident zu werden“, wollte er das weder wiederholen noch zurücknehmen. Die lahme, ausweichende Antwort ließ ihn gleich zu Beginn schlecht aussehen. Kommentatoren analysierten, Cruz wisse, dass seine erzkonservative Botschaft in New Hampshire schlechter ankomme als in Iowa und er wolle das kompensieren, indem er seine Konkurrenten nicht so scharf attackiere, um sympathischer zu erscheinen. Als das Gespräch auf die hohe Zahl von Drogenabhängigen in New Hampshire kam, sprach Cruz mitfühlend über seine Halbschwester, die an einer Überdosis an Medikamenten gestorben sei.

Die Fernsehkommentatoren fragten anschließend offen, wie das republikanische Rennen wohl verlaufen wäre, wenn die drei moderaten Konservativen Trump und Rubio schon früher so hart wegen ihrer populistischen Parolen zur Rede gestellt und diese keine überzeugenden Antworten gefunden hätten wie an diesem Abend? Der Ausgang der Vorwahl in New Hampshire am Dienstag erscheint nun wieder völlig offen.

Dazu trägt auch bei, dass in New Hampshire andere Regeln als in Iowa gelten. In Iowa durften nur eingetragene Wähler der Republikaner am Caucus teilnehmen, an der Primary In New Hampshire hingegen auch die so genannten „Independents“, nicht parteigebundene Bürger. Zahlenmäßig ist das die größere Gruppe als die eingetragenen Anhänger der Republikaner. Zudem dürfen sie sich bis zur Öffnung der Wahllokale frei aussuchen, ob sie bei den Republikanern oder den Demokraten über den Spitzenkandidaten mit entscheiden wollen. Deshalb weichen die Vorwahlergebnisse in New Hampshire oft noch viel weiter von den letzten Umfragen ab als in anderen Bundesstaaten.