Politik : U-Boot-Kollision: Bush will sich für Unglück entschuldigen

US-Präsident George W. Bush wird sich nach offiziellen Angaben bei Japan für die Kollision eines US-U-Bootes mit einem japanischen Fischereischiff entschuldigen. Der stellvertretende Chef der US-Marine-Einsätze, Admiral William J. Fallon, werde nach Japan reisen und ein Entschuldigungsschreiben Bushs überreichen. Fallon, zweithöchster Admiral der Marine, soll den japanischen Ministerpräsidenten Yoshiro Mori und die Bevölkerung über den Fortgang der Untersuchungen im Zusammenhang mit der Havarie unterrichten. Bei dem Unglück waren neun Japaner getötet worden. 26 konnten gerettet werden.

Fallon werde bereits am Samstag abreisen, hieß es weiter. Nach einem Zwischenaufenthalt in Hawaii soll Fallon am Mittwoch mit japanischen Regierungsvertretern zusammentreffen, berichtete der US-Nachrichtensender CNN. Fallon solle die bereits von Präsident George W. Bush geäußerten Entschuldigungen bekräftigen.

Ein vertraulicher Bericht der US-Marine gibt der Besatzung der "Greeneville" die Schuld am Zusammenstoß mit einem japanischen Kutter. Das berichtete die Zeitung "The Washington Times", die über enge Kontakte zum Verteidigungsministerium verfügt. Danach soll der Kommandant des U-Bootes die Wasseroberfläche mit dem Periskop nicht gründlich genug abgesucht haben.

Ein Marine-Offizier habe das Auftauchmanöver für voreilig gehalten. Doch wollte er den Kapitän vor den 16 zivilen Gästen an Bord nicht bloßstellen. Der Bericht verurteilt zudem direkt die Rolle der Zivilisten an Bord. Die Besatzung habe sich von den Gästen ablenken lassen. Kapitän Scott Waddle sagte nach Medienberichten, er habe von dem Sonar-Experten nicht erfahren, wie nah die georteten Schiffe wirklich waren. Der Sonar-Matrose an Bord habe sich wiederum auf die Periskop-Kontrolle des Kommandanten verlassen. Die Schiffe waren nach unterschiedlichen Angaben in zwei bis vier Kilometer Entfernung vom Sonar erfasst worden.

Waddle betonte in ersten Aussagen, er sei von den Zivilisten an Bord nicht abgelenkt worden. Am Vortag hatte der Sonar-Verantwortliche des U-Bootes jedoch zugegeben, dass ihn die Gäste kurz vor der Kollision mit dem Kutter von der Arbeit abgehalten hatten. Verteidigungsminister Donald Rumsfeld verbot deshalb vorläufig, Zivilisten an Waffenstände der amerikanischen Armee zu lassen, solange die Umstände der Kollision nicht geklärt seien.

Waddle hat jedoch noch keine öffentliche Aussage über den Unfall gemacht. Die Aussagen der Matrosen sind nur vorläufig und werden bei dem geplanten Marine-Untersuchungsausschuss möglicherweise nicht verwendet. Die Stellungnahmen der drei höchsten Offiziere könnten vor dem Gremium strafrechtliche Bedeutung haben. Die Untersuchung wurde auf Bitten des Anwalts von Waddle auf den 5. März verschoben.

Mori hatte am Donnerstag die Anwesenheit von Zivilisten im Kontrollraum der "Greeneville" als "außerordentlich bedauerlich" bezeichnet. Eine genaue Untersuchung sei zwingend. Der Vorfall hat Empörung vor allem in Japan hervorgerufen und die Beziehungen zwischen Japan und den USA belastet.

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