Politik : UCPMB-Entführung: Albaner lassen serbische Geiseln an Kosovo-Grenze frei

Sechs am Sonntag in der südserbischen Pufferzone zum Kosovo von der Albanerguerilla UCPMB entführten Serben sind am Montagabend freigelassen worden. Ihre Freilassung sei unter Vermittlung der Kosovo-Friedenstruppe Kfor und des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz IKRK erreicht worden, sagte der serbische Vizeregierungschef Nebojsa Covic. Alle Freigelassenen seien wohlauf. Dies ist der zweite Fall einer Massenentführungen von Serben durch die UCPMB-Rebellen. In beiden Fällen wurden sie nach internationalen Vermittlungen freigelassen. Die UCPMB ist die Befreiungsarmee für Presevo, Medvedja und Bujanovac.

Erst am Samstag hatten sich örtliche Vertreter der serbischen und albanischen Bevölkerungsgruppen darauf geeinigt, ihre Straßensperren an einer Hauptverbindungsstraße zu räumen. Das Abkommen sah neben der Räumung der Sperren vor, dass lediglich serbische Verkehrspolizei in dem Gebiet zulässig sei. Außerdem wurde eine Waffenruhe vereinbart.

Die Präsidenten Jugoslawiens und Montenegros haben in ihren Neujahrsansprachen düstere Prognosen für das neue Jahr gestellt. In den kommenden Monaten seien Spannungen zu erwarten, die über die Chance für Frieden und Stabilität auf dem Balkan entscheiden würden, erklärten der jugoslawische Staatspräsident Vojislav Kostunica und sein montenegrinischer Kollege Milo Djukanovic übereinstimmend. Die Führung Montenegros strebt gegen den Willen Belgrads die Unabhängigkeit von Jugoslawien an.

"Es wäre unverantwortlich von mir, Ihnen zu sagen, dass wir unser größtes Problem - die Frage Serbiens und Montenegros - leicht lösen können", sagte Kostunica in seiner am Sonntagabend im serbischen Fernsehen ausgestrahlten Ansprache. "Aber ich bin davon überzeugt, dass wir es schaffen können." Wichtig sei, dass beide Seiten sich ihrer Ziele bewusst seien und Verhandlungsbereitschaft zeigten.

Djukanovic rief die 600 000 Bewohner der kleineren jugoslawischen Republik auf, mit dem Aufbau eines neuen Montenegros zu beginnen. "Das neue Jahr ist der Beginn einer großen, realistischen Hoffnung für Montenegro. Wir allein werden über unsere Zukunft entscheiden." Die Montenegriner hätten das Recht, auf zivilisierte und demokratische Weise ihren eigenen Weg zu wählen, sagte er. Djukanovic hatte kürzlich mit Kostunica vereinbart, Verhandlungen über das künftige Verhältnis beider Republiken aufzunehmen. Bei einem Scheitern der Gespräche will er bis Mitte 2001 ein Unabhängigkeitsreferendum abhalten.

Kostunica versetzte indessen ranghohe Vertreter der Streitkräfte in den Ruhestand. Neben dem früheren Verteidigungsminister und mutmaßlichen Kriegsverbrecher Dragoljub Ojdanic müssen auch der bisherige militärische Sicherheitschef General Geza Farkas und Oberstleutnant Aleksandar Vasiljevic ihren Platz räumen. Dagegen beließ Kostunica den jugoslawischen Heereschef und Gefolgsmann des gestürzten Staatschefs Milosevic, General Pavkovic, im Amt.

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