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Ukraine : Kiew: Russische Panzerkolonne in die Ukraine vorgestoßen

Während die Kämpfe um den Flughafen im ostukrainischen Donezk erbittert geführt werden, erregte am Freitagmittag die Meldung Aufsehen, dass angeblich russische Panzer auf ukrainischen Boden vorgedrungen seien.

Zerstörungen in der Siedlung Kuibyschewski nahe dem umkämpften Flughafen Donezk.
Zerstörungen in der Siedlung Kuibyschewski nahe dem umkämpften Flughafen Donezk.Foto: AFP

Eine Kolonne von 32 Panzern ist nach Angaben aus Kiew am Freitag von Russland aus in die Ukraine eingedrungen. Das erklärte der ukrainische Militärsprecher Andrej Lyssenko. Auch 30 Lastwagen mit Kämpfern sowie weiteres Material hätten demnach die Grenze zu der von prorussischen Separatisten kontrollierten Region Lugansk überquert.

Der proeuropäische ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat bei einem Telefonat mit Kanzlerin Angela Merkel eine Verschärfung der Lage in der Unruheregion Donbass beklagt. Es gebe Rückschritte in dem zuletzt vereinbarten Entspannungsprozess, sagte der Staatschef am Freitag. „Das führt zu einer Eskalation des Konflikts“, sagte er dem Präsidentenamt zufolge. Bundeskanzlerin Angela Merkel zeigte sich nach dem Telefonat sehr besorgt. Auch die Nato prüft die Meldungen. “Sollten sich diese Berichte bestätigen, wäre es ein weiterer Beleg für Russlands Aggression und direkte Beteiligung an der Destabilisierung der Ukraine“, hieß es in Kreisen der Allianz. Das westliche Militärbündnis stellte seinerseits erstmals Großmanöver mit Zehntausenden Soldaten nahe der russischen Grenze in Aussicht.

Russland sicherte unterdessen zu, sich an das Minsker Abkommen zu halten, mit dem der Konflikt entschärft werden sollte. Er müsse weitere Gespräche unter Beteiligung von Regierungskräften und Separatisten geben, bekräftigte der außenpolitische Berater von Präsident Wladimir Putin, Juri Uschakow. In der weißrussischen Hauptstadt hatten sich Vertreter der ukrainischen Regierung und der Rebellen unter anderem auf mehr Autonomie für die Ostukraine, aber auch auf die Wahrung der territorialen Einheit des Landes verständigt.

Bei Kämpfen um den Flughafen der ostukrainischen Großstadt Donezk wurden 15 Zivilisten verletzt worden. Die Stadtverwaltung teilte am Freitag mit, die Zivilisten seien beim Artilleriebeschusses der Viertel Kiewski und Kuibyschewski in der Nähe des Flughafens verletzt worden. Es blieb unklar, ob unter den Opfern auch Separatistenkämpfer waren. Der Flughafen ist seit Monaten heftig umkämpft zwischen den prorussischen Rebellen und den Regierungstruppen, die ihn trotz fortlaufender Angriffe weiter kontrollieren.

Laut der ukrainischen Armee wurden in der benachbarten Rebellenregion Lugansk zudem sieben Fallschirmjäger verletzt, als ihr Fahrzeug nahe der Ortschaft Sokolnyki auf eine Mine fuhr. Demnach griffen die Rebellen wiederholt Stellungen der Armee nahe Lugansk mit Mörsern und Raketenwerfern an. Die Spannungen in den beiden abtrünnigen Regionen Lugansk und Donezk haben sich durch die Abhaltung von Wahlen am Sonntag weiter verschärft. Die von den Separatisten organisierten Abstimmungen wurden außer von Russland international nicht anerkannt. (AFP/rtr/dpa)

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